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INTERNATIONAL
  
 Letzte Änderung: 8.8.2002
 
 

Überblick

 
nach Themen
 
Globalisierung: Informationspolitik
 
  • Schluß mit vertraulich
  • Tod ohne Absender
  • Der Angriff via Internet wird immer einfacher
  • Gleicher Zirkus, anderer Ort
  • Virtuelle Schlammschlachten
  • Der Nutzen von Softwarepatenten ist umstritten
  • Spanischer Bürgerkrieg und ein bißchen Woodstock
  • Das Netz lernt Chinesisch
  • Was liest die Zukunft?
  • In Afrika ist das Schlagwort "globales Dorf" eine Worthülse
  • Die Internet-Seite der radikalen Palästinensergruppe Hamas
  • Ein neuer Schutzschild im Cyberspace
  • Abstimmung mit der Maus
  • Niemand ist an nichts schuld
  • Kennzeichen.de
  • Talent für den Code
  • Bits statt Bomben
  • Wie das Internet die Weltpolitik verändert
  •  
    Privatheit und Vertraulichkeit
     
  • Jedes zweite Großunternehmen wird von Computerhackern über das Internet angegriffen
  • Halten wir uns nicht mit Höflichkeiten auf
  • Erst wenn der letzte Hering eingeschlagen ist
  • Das Virus ist die Nachricht
  • Der amerikanische Albtraum
  • "Nackte Ehefrau" schaltet ab
  • HALs Auge
  • Unerwünschte E-Mails kosten Milliarden
  •  
    Inhaltsregulierung
     
  • Genau dieselben Bilder
  • Die mythische Angst, nicht dabei zu sein
  • Woher soll ich wissen, was Thx ist?
  • Nicht erst die Tat, die Illusion allein ist strafbar
  • Die Linse Gottes
  • Mamies an die Maus
  • Gesetzgeber der Menschheit

  •  
    Universeller Zugang
     
  • Der Angriff via Internet wird immer einfacher
  • Flucht in den Cyberspace
  • Die Welt im Handy
  • The Enemies of the Internet
  • Die Zukunft der Arbeit
  •  
     
    nach Erscheinungsjahr
     
    2002 
  • Jedes zweite Großunternehmen wird von Computerhackern über das Internet angegriffen
  • 2001 
  • Schluß mit vertraulich
  • Tod ohne Absender
  • Genau dieselben Bilder
  • Halten wir uns nicht mit Höflichkeiten auf
  • Der Angriff via Internet wird immer einfacher
  • Erst wenn der letzte Hering eingeschlagen ist
  • Gleicher Zirkus, anderer Ort
  • Virtuelle Schlammschlachten
  • Das Virus ist die Nachricht
  • Die mythische Angst, nicht dabei zu sein
  • Der Nutzen von Softwarepatenten ist umstritten
  • Der amerikanische Albtraum
  • Spanischer Bürgerkrieg und ein bißchen Woodstock
  • Flucht in den Cyberspace
  • Das Netz lernt Chinesisch
  • Woher soll ich wissen, was Thx ist?
  • Was liest die Zukunft?
  • Nicht erst die Tat, die Illusion allein ist strafbar
  • The Enemies of the Internet
  • In Afrika ist das Schlagwort "globales Dorf" eine Worthülse
  • Die Linse Gottes
  • Die Internet-Seite der radikalen Palästinensergruppe Hamas
  • "Nackte Ehefrau" schaltet ab
  • Ein neuer Schutzschild im Cyberspace
  • Mamies an die Maus
  • Abstimmung mit der Maus
  • HALs Auge
  • Die Welt im Handy
  • Niemand ist an nichts schuld
  • Gesetzgeber der Menschheit
  • Kennzeichen.de
  • Unerwünschte E-Mails kosten Milliarden
  • Talent für den Code
  • Bits statt Bomben
  • Wie das Internet die Weltpolitik verändert
  • Die Zukunft der Arbeit
  • Quellen:  
    DIE ZEIT 
    FAZ 
    DER SPIEGEL 
     
     
     
     
     
    2002
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
    Jedes zweite Großunternehmen wird von Computerhackern über das Internet angegriffen
      
    Quelle: FAZ, 21.1.2002, Nr. 17, S. 23 
    von Holger Schmidt 

    "Nach Angaben des amerikanischen Branchenverbandes Computer Emergency Response Team (CERT) hat sich die Zahl der Cyberangriffe in Amerika im vergangenen Jahr auf rund 53 000 gegenüber dem Jahr 2000 verdoppelt." Cyberkriminalität ist abere, so Holger Schmidt, kein amerikanisches Problem. Etwa 42 % aller größeren europäischen Unternehmen sind bereits Opfer geworden. Zu den verschiedenen Varianten von Cyberkriminalität zählt Schmidt: 

    • Denial-of-Service-Attacken (Websites werden mit einer Flut von Zugriffen bombardiert)
    • Internetviren
    • Stehlen von Kundendaten (sowie andere Formen der Wirtschaftsspionage) sowohl von außerhalb als auch von innerhalb des Unternehmens
    Was kann man dagegen tun? 
    • Firewalls einrichten
    • Polizeischutzsysteme
    • Rechtssysteme (z.B. die "Convention of Cybercrime", gegen Hackerangriffe, Software-Piraterie, Kinderpornographie und Fremdenhaß, die von 43 Ländern unteschrieben wurde)
    • Überwachungszentren der US "Internet Security Systems" (ISS)
     
     
     
    2001
     
     
    Schluß mit vertraulich
    Nach den Anschlägen: Die Politik will das Internet entschlüsseln
      
    Quelle: FAZ, 20.9.2001, Nr. 219, S. 54 
    von Dietmar Dath 

    Der Beitrag befaßt sich mit unterschiedlichen Maßnahmen, die nach den Anschlägen in New York und Washington, die Sicherheit der technischen Infrastruktur (besser) gewährleisten sollen. Der amerikanische Senator Judd Gregg fordert z.B. strengere Auflagen für die Hersteller und Vertreiber kryptographischer Software. Die Diskussion um Vertraulichkeit ("privacy"), Geheimhaltung ("secrecy") und Überwachung ("surveillance") begann Anfang der neunziger Jahre. Der Informatiker Eric Hughes führte in seinem "Cypherpunk Manifesto" die Unterscheidung zwischen "Vertraulichkeit" und "Geheimhaltung" ein: ""Vertraulichkeit" ist nach Hughes' Definition dem dem Schutz durch demokratische Verfassungen anbefohlene Unverletzbarkeit der Kommunikation zwischen gleichberechtigten Partnern, die sich privat oder vertraglich gemeinsamen Protokolle geeinigt haben. "Geheimhaltung", also das Unzugänglichmachen von vor allem staatlichen Informationen, die theoretisch viele Menschen angehen können, ist in der Weltsicht der Befürworter "digitaler Bürgerrechte" etwas völlig anderes. Die gegenwärtige von den Ereignissen der letzten Woche ausgelöste Gewichtungsverschiebung in diesen Diskussionen scheint die staatliche "Geheimhaltung" nun zu stärken, die private und geschäftliche "Vertraulichkeit" hingegen zu schwächen." Befürworter der "Open Source"- Bewegung wie Richard Stallmann schlagen dabei Alarm. Die Netzwelt läßt sich aber, so Dath, von den sozioökonomischen, politischen und juristischen Gegebenheiten nicht trennen, auch wenn die Geographie Des Netzes quer zur Unterscheidung stattlicher Macht vs. wirtschaftlicher Macht steht. 
     
     

     
     
    Tod ohne Absender
    Ein Wurm namens Nimda als Vorahnung: Der neue technisierte Krieg 
    gegen Zivilisten gilt nicht mehr nur der Wirtschaftsmacht, 
    sondern der gesamten Infrastruktur
      
    Quelle: FAZ, 20.9.2001, Nr. 219, S. 48 
    von James Adam 

    In diesem ausführlichen Beitrag befaßt sich James Adam, ehemaliger Verteidungskorrespondent und Washingtoner Bürochef der "Sunday Times" und Autor des Buches "The Next World War: Computers Are The Weapons and the Front Line ist everywhere", mit Fragen des Cyberkrieges. Nach den Terroranschlägen von New York und Washington infizierte der Computerwurm "Nimda" - der Name liest sich rückwärts wie "Admin", d.h. wie die Kurzform der US Administration -  mehr al 13 000 Computer. Etwa 30 000 Websites bieten Hackerprogramme zum Download an. Die Auswirkungen des Cyber-Terrorismus könnten, so Adam, verheerend sein: "Im kältesten Winter könnte die Stromversorgung, in Zeiten größter Dürre die Wasserversorgung lahmgelegt werden; es wäre möglich, Treibstofflieferungen umzuleiten, militärische und zivile Kommunikationswege zu unterbrechen, Finanz- und Wirtschaftszentren vorübergehend zur Schließung zu zwingen und dadurch ein Chaos schaffen, unter dem der größte Teil der Bevölkerung zu leiden hätte."  Zuständig für die Abwehr von Angriffen aus dem Cyberspace ist in Amerika das FBI, eine Behöde also, die sich mit der Verbrechensbekämpfung und nicht mit der Landesverteidigung beauftragt ist. Adam ist der meinung, dass die Verantwortung für die Verteidigung im Cyberspace an das Verteidigungsministerium (das Pentagon) delegiert werden sollte. 
     
     

     
     
    Genau dieselben Bilder
    Die erste Verschwörung geht um: Wie man Zweifel an CNN sät
      
    Quelle: FAZ, 17.9.2001, Nr. 216, S. 57 
    von Michael Hanfeld 

    Nach den Terror-Anschlägen in New York und Washington wurden von CNN Bilder von jubelnden Palästinensern gezeigt. Zugleich verbreitete sich eine E-Mail wonach es sich dabei um "CNN Fake scenes" also um Fälschungen - die Aufnahmen sollten Bilder aus dem Jahr 1991 sein - handelte. Die Gerüchte wurden von "Reuters TV", AP und von der Vertreterin von CNN in Deutschland, Amelie von Heinrichsdorff, umgehend dementiert. Die israelische Zeitung "Maariv" berichtete, dass Jassir Arafat durch Zensurmaßnahmen verhindert hat, dass noch mehr Bilder von jubelnden Palästinensern auf die Bildschirme kamen. 
     

     
     
    Halten wir uns nicht mit Höflichkeiten auf
    E-Mail an den abwesenden Herrn von Knigge: 
    Technik und Recht haben die Netiquette verdrängt
      
    Quelle: FAZ, 1.9.2001, Nr. 203, S. 52 
    von Milos Vec 

    Die "Netiquette" galt lange Zeit als Zeichen für die Autonomie des Netzes im Sinne eines sozialen Raumes, der sich eigene Regeln vorschreibt. Man träumte von einer egalitären Gesellschaft: "Informationsfreiheit galt viel, Kommerz war verpönt." Eine amerikanische Anwaltsfirma, die 1994 1,2 Millionen Werbebotschaften unaufgefordert versandte, wurde mit der Rücksendung von 600 000 E-Mails von empörten Benutzern bestraft. "Kritische Stimmen fragten bald nach der moralischen Berechtigung von Privatrache und nach der Einhaltung des Verhältnismäßigkeitsprinzips. Und überhaupt: Wer beurteilt eigentlich, ob ein Verstoß gegen die Netiquette vorliegt?" In der "Netiquette" waren ursprünglich sehr unterschiedliche Sachverhalte berücksichtigt: von Aussagen gegen Pornographie und Rassenhetze bis hin zu Empfehlungen über die "Betreff"-Zeile in E-Mails. Der Freiburger Zivilrechtler Peter Jung vergleicht sie mit dem Kaufmannsrecht ("lex mercatoria") und sieht einen Anknüpfungspunkt für Rechtsnormen, die durch Institutionen wie die OECD oder die Welthandelsorganisation (WTO) durchgesetzt werden sollten. Müller-Maguhn tendiert zum Pragmatismus indem er zum Beispiel empfiehlt, vorsichtig mit der eigenen virtuellen Adresse umzugehen oder Chat-rooms ggf. zu verlassen. Die erste Regel der Netiquette, nämlich zu bedenken, dass auf der andere Seite der Leitung auch ein Mensch sitzt, formuliert eine klassische ethische Norm. 
     
     

     
     
    Der Angriff via Internet wird immer einfacher
    Potentielle Ziele für "Cyberterroristen" gibt es nicht nur in Amerika
    Bislang nur Aktivisten, nicht Terroristen
      
    Quelle: FAZ, 14.8.2001, Nr. 187, S. 4 
    von Reiner Burger 

    Der Beitrag befaßt sind mit unterschiedlichen Arten von kriminellen Tagen im Internet: "Kriminelle stehlen personenbezogenen Daten und geheime Firmeninformationen. Hacken und Aktivisten versenden Viren." Dorothy E. Denning, Computerwissenschaftlerin an der Georgetown University (Washington), lassen sich die bisherigen Angriffe noch nicht als Cyberterrorismus bezeichnen. Der Begriff "Cyberterrorismus" ist (noch) unscharf, sofern nämlich mit "terroristisch" Attacken auf Eigentum und Personen gemeint sind, die zu Verletzungen oder zum Tod führen und mit denen Staaten eingeschüchtert werden sollten. Angriffe von politisch motivierten "Hacktivisten" beziehen sich aber z.B. auf "elektronische Sit-ins". Terrororganisationen benutzen das Internet als Informationsmedium: "Nach Erkenntnissen des amerikanischen Geheimdienstes nutzt der mutmaßliche Terrorist Ibn Ladin verschlüsselte Botschaften im Internet. (...) Noch stellt eine Autobombe eine größere Gefahr dar als eine E-Mail-Bombe. Doch mögliche nächste Terroristengenerationen wachsen in einer digitalen Welt auf." 
     
     

     
     
    Erst wenn der letzte Hering eingeschlagen ist,
    wird das Netz der Netze unser Zelt
    ALT-F4: Ein Hacker-Kongreß in Holland testet 
    die riskanten Computerspiele der Zukunft
      

    Quelle: FAZ, 14.7.2001, Nr. 23, S. 43 
    von Andreas Rosenfelder 

    Der Bericht befaßt sich mit dem Hacker-Kongreß an der Universität Twente, an dem ca. dreitausend Hacker teilgenommen haben. Das Treffen wurde vom Niederländer Rop Gonggrijp organisiert. Frühere Hackertreffen waren vor allem Tauschbörsen für Software, während beim HAL 200 alle Themen politisch waren. Dazu schreibt Rosenfelder: "Hacker betreiben freilich weniger symbolische Politik, als daß sie darüber aufklären, wie politisch die Symbole sind, die in unseren Rechnern schlummern. Noch in der kürzesten SMS, noch in der werbungsfreiesten Suchmaschine lauern Fallen, von denen die Benutzeroberflächen nichts ahnen lassen." Für Andy Müller-Maguhn ist die Ethik des Hackers eine langfristige Rechtsanwendung, sofern mit der Neugier des Datenreisenden früher angekommen ist als Politik und Industrie. Freilich hat diese Neugier inzwischen ihre Unschuld verloren: "Wenn vermeitliche Hacker-Angriffe auf kommerzielle Seiten Argumente für restriktive Gesetze liefern, wenn vorgebliche Hacker gar im Konflikt um das amerikanische Spionageflugzeug als Armeen eingesetzt werden, die chinesische Websites verunstalten, dann sei das Spiel vorbei."    
     
     

     
     
     
    Gleicher Zirkus, anderer Ort
    Die Selbstregulierer des  Internet unter sich
      
    Quelle: DIE ZEIT, 13.6.2001, Nr. 25, S. 35 
    von Monika Ermert 

    Ein Bericht über das Treffen der Icann im Stockholmer Messezentrum (ca. 500 Teilnehmer). Für den schwedischen Exministerpräsident Carl Bildt ist die Arbeit der Icann "mit keiner Art der politisch-parlamentarischen oder regulatorischen Arbeit vergleichbar", eine globale Cyberdemokratie ist nicht anzustreben. Icann hat aber eine Art Internet-Gerichtsbarkeit z.B. in bezug auf die Durchsetzung von Markennamen als Internet-Adressen durchgesetzt. Für die Berliner Sozialwissenschaftlerin Jeanette Hofmann lautet die Kernfrage: "Wer ist eigentlich das Selbst in self-government?" Zu bedenken gilt dabei, dass Icann abhängig vom US-amerikanischen Wirtschaftsministerium ist.  
     

     
     
    Virtuelle Schlammschlachten
    Internet und Politik in Rußland
      
    Quelle: FAZ, 12.6.2001, Nr. 134, S. 9 
    von Michael Martens 

    Der Beitrag befaßt sich u.a. mit der Internet-Präsenz der Partei "Vaterland - ganz Rußland" (OWR) (www.ovg.ru) zu deren Mitbegründern der Moskauer Bürgermeister Luschkow, der ehemalige Ministerpräsident Primakow und der Petersburger Gouverneur Jakowlew gehörten und im Konkurrenz zur Putin-Partei "Einheit" (Jedinstwo) steht. Eine OWR-kritische Website wurde von Gleb Pawoloskij - Mitbegründer des "Fonds für effektive Politik" und "ein Grenzgänger zwischen der Dissidentenszene und dem KGB" - geschaffen (ovg.ru; russia.strana.ru). Laut Nachrichtenagentur Itar-Tass haben drei Viertel aller Russen noch nie mit einem Computer gearbeitet. Vom verbleibenden Viertel hat etwa nur ein Viertel Zugang zum Internet. 

     
     
     
    Das Virus ist die Nachricht
    Das Internet ist das ideale Medium für Kettenbriefe und Verschwörungstheorien
      
    Quelle: FAZ, 31.5.2001, Nr. 23, S. 31 
    von Christoph Drösser 

    "Eine Mail die Missstände anprangert, unermesslichen Reichtum verspricht, vor Gefahren warnt oder vorgibt, Gutes zu tun, (ist) in Wirklichkeit ein hoax - eine Scheinnachricht, deren einziger Zweck die Weiterverbreitung ist. Die erfolgreichste Variante dieser hoaxes sind die Warnungen vor Computerviren." Christoph Drösser warnt in diesem Beitrag vor diesen Warnungen: http://www.zeit.de/2001/23/kettenbriefe 
     
     

     
     
     
    Die mythische Angst, nicht dabei zu sein
    Warum in den USA auf Teufel komm raus um die Übertragungsrechte für eine Hinrichtung gekämpft wird
      
    Quelle: DIE ZEIT, 10.5. 2001, Nr. 20, S. 20 
    von Christoph Türcke 

    Die nächste Hinrichtung in den USA ist für den 16. Mai vorgesehen. Der Bombenleger hat 168 Menschen umgebracht. Der Justizminister hat die digitale Übertragung in einen anderen Raum für ca. 250 Menschen angeordnet und damit, so Türcke, die Debatte ausgelöst, warum nicht die ganze Öffentlichkeit zuschauen dürfe. Eine Internet-Firma kämpft für die Übertragungsrechte. Der Unternehmer, der die deutschen Rechte beansprucht, will scheinbar nichts anderes als die Grausamekeit die Todesstrafe demonstrieren. Big Brother war nur ein Vorspiel. "Die Urszene mythischen Grauens aber ist das Menschenopfer. (...) Die mythische Angst, an der Offenbarung nicht teilzuhaben, ausgeschlosen, verworfen zu sein, wird vom mikroelektronischen Vernetzungssein neu geschürt. Wer nicht angeschlossen ist, wird nicht wahrgenommen, ist nicht. In der Gier nach einer direkt übertragenen Hinrichtung treibt der tiefe Wunsch nach Wiederauferstehung des uralten mythischen Opferkonsenses. Participo ergo sum." Gegen die Phraseologie von mündiger Bürgergesellschaft hilft nur eines: Scham. "Scham ist das an uns, was wir nicht wollen, aber sie erst macht uns zu Menschen, ist gleichsam der Bodensatz der Menschenwürde. Wenn sich nichts anderes mehr gegen schamlosen Konsens sträubt, dann sie. Freilich, die Einwilligung eines Delinquenten in die Direktübertragung seiner Hinrichtung ist ein Extremfall. Aber sollten Nietzsche und Freud umsonst gezeigt haben, dass der Extremfall nur der zur Überdeutlichkeit geschärfte Normalfall ist?" 
     
     

     
     
     
    Der Nutzen von Softwarepatenten ist umstritten
    Unterschied zwischen geschriebenem Recht und praktischer Handhabung
      
    Quelle: FAZ, 2.5.2001, Nr. 101, S. 31 

    Sind Softwarepatente ein unerläßlicher Anreiz für F&E oder eine Bremse für die Wirtschaft? "Die Unternehmen beantworten die Frage längst auf ihre Weise und versuchen, Patentschutz für Software zu erhalten." Umstritten ist nicht mehr das "Ob" von Softwarepatenten, obwohl das Europäische Patentübereinkommen (EPÜ) in Artikel 52 die Patentierbarkeit von Computerprogrammen ausschließt. In einem von Bernd Lutterbeck  (Professor für Informationsrecht an der TU Berlin) und zwei weiteren Autoren für das Bundeswirtschaftsministerium erstellten Gutachten heißt es, dass es eine Divergenz gibt zwischem dem geschriebenen Recht und dem "law in action". Softwarepatente würden von den Gerichten in Amerika und Europa unbeschadet des Wortlauts der jeweiligen Patengesetze anerkannt. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Patentorganisation haben inzwischen eine Änderung von Artikel 52 EPÜ erwogen. Der Vorschlag fand allerdings keine Mehrheit. In einem Symposion der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt zog Eric Maskin, Professor am Institute of Advanced Studies in Princeton, die These, dass Patentschutz Innovations- und Investitionsanreize schaffe, in Zweifel. Grund für diese Annahme ist die Tatsache, dass die Software-Industrie besonders innovativ gewesen ist, obwohl es lange Zeit kaum Patentschutz gab. Ferner sind Patente ein Hindernis, wenn Entwicklungen "sequentiell" (aufeinander aufbauend) sind. Der wachsende Wettbewerb mache aber, so Harald Hagedorn (SAP-Patentabteilung), nötig. SAP verfügt bisher lediglich über vier Softwarepatente. 
     
     

     
     
     
    Der amerikanische Albtraum
    Das FBI hat seine Brecht-Akte freigegeben
      
    Quelle: DIE ZEIT, 26.4.2001, Nr. 18, S. 43 
    von Fritz J. Raddatz 

    Die Dokumente, Archivunterlagen und Abhörprotokolle amerikanischer Behörden wie FBI und CIA lesen sich, so Fritz Raddatz in diesem Bericht über "McCarthys Hexenjagd auf Intellektuelle", wie eine "Geschichte der amerikanischen Gegenwartsliteratur" von unten. Gegenstand "penibler Menschenverachtung" waren nicht nur antifaschistischer Emigranten" wie Thomas Mann, Hanns Eisler oder Theodor W. Adorno, sondern auch die Nobelpreisträger Ernest Hemingway, William Falkner, Pearl S. Buck und Sinclair Lewis, sowie Schriftsteller wie Thornton Wilder, Tennessee Williams, John Dos Passos, Thomas Wolfge, Truman Capote und Nelson Algren und - Bertolt Brecht.  

    Das Ganze beruhte auf einem Heer anonymer Informanten und Denunzianten, zu denen in den vierziger Jahren Ronald Reagan gehörte. Besonders verdächtig wegen seiner demokratischen Aktivitäten wurde Archivbald MacLeish, Präsident des Amerikanischen Schriftstellerkongresses im Jahre 1947. Die von Harry S. Truman 1947 erlassene "Loyalty Order" gab den US-Behörden "den Schlüssel zur Beschnüffelung jeder beliebigen Person, ihrer Verwandschaft, ihrer Eheverhältnisse, ihrer Freunde in die Hand, zur Überprüfung und Bewertung jeder politischen Überzeugung, jeder religiösen Haltung, jeder sozialen Tätigkeit, und sei es als Mitgliedschaft in einem Buchklub", so Carl Bernstein, der Pulitzerpreisträger, in seinem Buch Loyalties. Es tauchten Fragen auf wie: "Haben Sie gelegentlich Farbige zu Gast?" oder "Lesen Sie viele Bücher?" Zwischen 1947 und 1954 wurden Abertausende überprüft: "knapp 10 000 verloren ihren Job - Lehrer, Bibliothekare, Gewerkschaftler, Sekretärinnen, Angestellte in Buchversandhäuser."  

    Amerika hatte den Krieg gewonnen, nicht zuletzt durch die Atombombe. Ein deutscher antifaschistischer Emigrant, Klaus Fuchs, hatte dieses Geheimnis der Sowjetunion verraten und - die Sowjetunion unterhielt ein hochspezialisiertes Spionagenetz. Raddatz erzählt die Geschichte von der Rivalität zwischen der Dramatikerin und Hollywood-Drehbuchautorin Lillian Hellmann, eine Art US-amerikanische La Passionaria, und ihrer Rivalin Mary McCarthy. Auch Arthur Miller geriet ins Fadenkreuz der Jäger - kurz vor seiner Heirat mit Marilyn Monroe. Arthur Miller hatte sich zwar von sozialistichen Ideen verabschiedet, weigerte sich aber "dies im Kontext gerichtlicher Vernehmungen öffentlich zu tun." Er wurde zu 500 Dollar Geldstrafe und einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. "Das war drei Jahre nach dem Arbeiteraufstand vom 17. Juni in Ost-Berlin und genau im Jahre des Budapester Aufstands. "It can't happen here", hatte Amerikas Nobelpreisträger Sinclair Lewis einst geschrieben, als die braunen Sturmtruppen die Straßen Deutschlands zu erobern begannen. "Hier kann das nicht passieren." Nein, das geschah nicht in Amerika. Aber ein Buschfeuer, eine Hexenjagd hatte die innere Verfasstheit der USA erschüttert."

     
     
     
     
    Spanischer Bürgerkrieg und ein bißchen Woodstock
      
    Quelle: FAZ, 21.3.2001, Nr. 93, S. 6 
    von Friedrike Bauer 

    "Die gemeinsame Grundlage der Globalisierungsgegner scheint noch dünn", so Friederike Bauer in diesem Bericht über die Proteste der Globalisierungsgegner im kanadischen Québec, nach Seattle, Prag und Davos. Die Protestierenden formieren sich im Internet und rufen auf zum Kampf gegen den globalen ungezügelten Kapitalismus. Diesmal geht es um die angestrebte amerikanische Freihandelszone, die aber z.B. von Brasilien mit Skepsis angesehen wird. Bei den protestierenden gibt es friedliche Feinde der Globalsierung wie z.B. die "Friends of the Earth", das "Mexico Solidarity Network", "Jobs with Justice", die Landlosen Bewegung in Brasilien oder die "Women of Color Resource Center". Andere empfehlen aber Gewaltanwendung. "Während die einen - etwa die Gewerkschaften - der Globalisierung einfach nur ein "soziales Antlitz" mittels international verbriefter Normen verleihen wollen, womit sie sicher auch in der "normalen Bevölkerung" genügend Anhänger finden, nutzen andere die plötzliche Kampfeslust für altbekannte Anliegen: Anarchisten, Sozialisten und zapatisten haben in der Debatte um das Für und Wider der Globalisierung ein neues Forum gefunden für ihr in den neunziger Jahren schon überwiegend totgesagtes Gedankengut". 

    Links: 

    - www.alternet.org/story.html?StoryID=9739 
    - protest.net 
    - Notes for an Address by Louise Beaudoin, Minister of International Relations Québec: "Globalization and Cultural Diversity: What Does Québec Want?"  
    http://www.mri.gouv.qc.ca/le_ministere/allocutions/discours_20000207_an.html 
     
     

     
     
     
    Flucht in den Cyberspace
      
    Quelle: DIE ZEIT, 19. April 2001, Nr. 17, S. 11-14 
    von Thomas Fischermann 

    In diesem Beitrag - den Sie hier in voller Länge lesen können - berichtet Thomas Fischermann zunächst über Multimillionäre, die sich auf einem Luxusschiff eine Eigentumswohnung (für mehr als zwei Millionen Dollar) kaufen und in dieser schwimmenden Steuerosase (World of ResidenSea) leben. Ähnliches gilt fürr Inselparadiese wie das zentralamerikanische Belize, die Südseeinsel Vanuatu oder das karibische Anguilla. Jetzt bekommen die Pensionäre Gesellschaft, z.B. von Vince Cate, der auf Anguilla seine Internetfirma www.domes.com bestellt hat: "Der gebürtige Amerikaner, 37 Jahre alt, verdient sein Geld vor allem damit, dass er Kunden einen Platz im Cyberspace bereitet. Er betreut auf seinen Computern die Web-Seiten oder sogar komplette Unternehmen anderer Leute, die so - wenn sie es geschickt anstellen - unter die Rechtsprechung von Aguilla fallen. Das bedeutet nach Vince Cates Auskunft Steuerfreiheit, 100-prozentige Geheimhaltung und Schutz vor dem Zugriff ausländischer Behörden. Denn Anguilla gehört zu den verschiewegensten Steuerparadiesen der Welt." Ähnliches gilt für das Steuerparadies Antigua., wo Harry Sauer sein Caribbean Casino Corporation (CCC) gegründet hat, um für 100 000 Dolar im Jahr Lizenzen für Online-Casinos zu vergeben. Fazit von Thomas Fischermann: "Der Cyberspace lockt dunkle Gestalten, Verkäufer gestohlener Musikaufnahmen, Händler mit verbotener Pornografie, zweifelhafte Börsenspekulanten, Diebe von Kreditkartennummern, Versender von Kettenbriefen, betrügerische Anlageberater" und - bald brauchen wir Datenparadiese wie der Luxusschiff Freedom Ship nicht mehr. 

    Vgl. das Interview zwischen Thomas Fischermann und Henry H. Perritt (Leiter des Chicago-Kent College of Law, ehemaliger Clinton-Berater und Experte für "Recht und Internet) in: DIE ZEIT, 19. April 2001, Nr. 17, S. 12. 
    Betrüger, so Perrit, können sich zwar vor den Behörden verstecken, aber das heißt nicht, "dass sie vom Erdboden verschwinden. Terroristen müssen Bomben legen, Geldwäscher und Steuersünder müssen an irgendeinem Punkt auch mit "richtigem" Geld hantieren. Deshalb sind die traditionellen Waffen der Behörden nicht stupf geworden." Und ferner: "Man kann aber nicht alles verschlüsseln. Wenn man eine Website betreiben will, die etwas kauft oder verkauft, müssen die Kunden sie ja finden können; sie muss also öffentlich sein. Und selbst wenn man anonyme Korrespondenz mit Geschäftspartnern führt, werden diese Daten immer noch auf einem Computer gespeichert. In den meisten Ländern kann man einen Durchsuchungsbefehl bekommen, um diesem Computer zu beschlagnahmen."

     
     
     
     
     
    Das Netz lernt Chinesisch
      
    Quelle: DIE ZEIT, 19. April 2001, Nr. 1^7, S. 31 
    von Dirk Asendorf 

    In diesem Beitrag, den Sie hier in voller Länge lesen können, berichtet Dirk Asendorf über das Geschäft mit Internet-Adressen in einer nicht lateinischen Schrift. Während bis jetzt, am Beispiel China, die Leser der Zeitung der Kommunistischen Partei diese Adresse wählen mussten: www.peopledaily.com.cn, hat die chinesische Internet-Behörde CNNIC Ende des vergangenen Jahres mit der Registrierung rein chinesischer Domain-Namen begonnen. Hinter der Klage über den Verlust eiheitlicher Standards verbergen sich aber auch handfeste Interessen, wie die der amerikanischen Firma VeriSign, die das Geschäft mit den chinesischen (und anderen) Adressen gemacht hatte. Aus dem Geschäft der "Cybersquattern", d.h. der Hausbesetzer des Internet, die mit dem Verkauf von Namen chinesicher Behörden ein grosses Geschäft machen wollten, wird erst mal nichts. Im Unterschied zu CNNIC konnte VeriSign die registrierten Adressen nicht frei schalten, da für die internationalen Endungen .com, .org oder .net. ein einheitlicher Konvertierungsstandard erst festgelegt werden müsste. Fazit: "Nicht ohne Schadenfreude schärmt daher die chinesische CNNIC von dem Erfolg ihrer Bemühung um "Chinas kulturelle Identität." 
     
     

     
     
     
    Woher soll ich wissen, was Thx ist?
      
    Quelle: FAZ, 20.4.2001, Nr. 92, S. 43 
    von Jordan Mejias 

    Jordan Mejias berichtet über die durch E-Mail verursachten Veränderungen im Sprachgebrauch: Die schriftliche Sprache nähert sich dabei der gesprochenen Sprache, so die These von Naomi S. Baron. Schreibfehler, Neologismen, Informalität sowie, ganz generell, die Mißachtung von Regeln, geht einher, so Baron ("Alphabet to E-mail: How Written English Evolved and Where It's Heading"), mit der Lockerung der Umgangsformen in einer jugendorientierten Gesellschaft. Es fing an mit "glyphs" und "emoticons". Kulturgeschichtlich gesehen scheint die E-Mail zugleich Fluch und Segen: Wo bliebe, so Mejias, Verdis "La Traviata" ohne die Briefboten? oder Montesquieu ohne die anonymen "Lettres persannes"? Andere begrüssen die egalitären Tendenzen des Mediums: "Die Kraft der Unmittelbarkeit ersetzt Syntax und Rechtschreibung. Die letzten grammatikalischen Ketten fallen im Befreiungsschlag gegen die noch verbliebenen Regeln der Akademie." Fehler sind auch ein Schutz gegen die "Tyrannei der Filter": "Sez" ersetzt "Sex" und "Pormographie" "Pornographie". Napsterianer ändern Buchstaben im Titel eines Songs, um so das Copyright zu entgehen. Und dennoch: "Auch im Internet regieren die Bilder, und sie neigen dazu, moralisch nicht ganz einwandfrei, mithin unwiderstehlich zu sein. Das Wort taugt auch hier allenfalls fürs Minderheitenprogramm. Gewinnt die sprachliche Erkennungstechnik erst an Perfektion, wird die Tastatur ganz und gar überflüssig. Ob es bis dahin zu einer neuen Blüte des Briefeschreibens kommen kann, hängt nicht zuletzt vom Eifer der vernetzten Epistolaristen ab. In diesem Sinne: thx & cul8r." 

     

     
     
     
    Was liest die Zukunft?
      
    Quelle: FAZ, 17.4.2001, Nr. 89, S. 54 
    von Stephan Vladimir Bugaj 

    Sephan Vladimir Bugaj ist Technischer Vizedirektor der Firma IntelliGenesis, eines führenden Unternehmens auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. In diesem Beitrag referiert er vor allem über die literarischen Quellen der Cyber-Elite. Ganz oben auf der Liste stehen, so Bugaj, drei Bücher: Die Bibel, "Ulysis" von James Joyce und die "Illuminatus"-Trilogie von Robert Anton Wilson und Robert Shea. Im letzteren Werk wird der Kampf zwischen Politikern und Hackern. Die moralischen Leitlinien für Weltveränderung zieht die Cyber-Gesellschaft aus der Verfassung der Vereinigten Staaten und vor allem aus dem Bill of Rights bzw. aus den Menschenrechten. Staatspolitisch ist Adam Smith: "Der Wohlstand der Nationen" das grundlegende volkswirtschaftliche Werk.  Philosophisch steht an der Spitze der Liste Douglas Hofstadters "Gödel, Escher, Bach", Marvin Minskys "Metopolis" und Ray Kurzweils "Homo sapiens. Leben im 21. Jahrhundert", sowie die Arbeiten von Philosphen wie Andrew Feenberg ("subversive Rationalisierung"), Albert Borgmann, Don Ihde, Karl Popper sowie die KI-Kritiker: Dreyfus und Penrose.  

    Wichtig ist vor allem die Science-Fiction Literatur, welche Modelle und Gleichnisse liefert. Dabei teilen sich die Wissenschaftler und Technologen in Utopisten und Dystopisten, wobei diese Einteilung meistens fragwürdig ist, wenn man z.B. an Isaac Asimov, Robert A. Heinlein, Arthur C. Clarke, Philip K. Dick, J.G. Ballaard und William Gibson denkt. Die Technokraten befürworten Greg Benford oder L. Sprague De Camp. Bei den New-Wave-Autoren, bei denen Computer nicht im Vordergrund stehen, treten Philip K. Dick und William S. Burroughs hervor. Die "transrealistischen Romane" von William Gibson, Rudy Rucker ("Ware"-Reihe), Neal Stephenson ("Snow Crash"), sowie die Cyberpunk Romane von Stanislaw Lem ("Kyberiade"), Vernor Vinge ("True Names") und John Brunner ("Der Schockwellenreiter") sind besonders einflußreich. Post New Wave Autoren thematisieren soziale und psychologische Fragen, wie sie bereits von Dick und Borroughs dargestellt wurden.  

    Science-fiction gilt inzwischen auch "als seriöse Plattform für Spekulationen über den sozialen und technologischen Wandel". Das beliebteste Werk bleibt Arthur Clarkes "2001" mit dem fiktiven Computer Hal-9000. Die Gesetze der Robotik wurden durch Asimovs Kurzgeschichte "Runaround", seine "Foundation"-Trilogie und die Roboter-Reihe erstmals formuliert. Sie weisen intelligenten Robotern einen untergeordneten Status gegenüber ihren menschlichen Herren zu: "Diese Gesetze sind in der Cyber-Community besonders leidenschaftlich diskutiert worden. Sowohl die Vorstellung von Robotern als moralisch überlegenen Wesen als auch der Gedanke, Robotern durch eingebaute Mechanismen jeden freien Willen zu verwehren, werfen schwierige Fragen auf."  

    Mit dieser Frage befassen sich auch SF-Filme wie  "Blade Runner" (nach Philip K. Dicks Roman "Träumen Androiden von elektrischen Schaffen?"), "Terminator", "Star Trek" sowie die einflußreiche Spielfilme "Matrix", "Fight Club" (nach dem gleichnamigen Roman von Chuck Palahniuk) und "12 Monkeys". In diesen letzten drei Spielfilmen "spiegelt sich die Auffassung der Hacker, wonach der Kapitalismus ein morsches System ist und die kapitalistische Profitorientierung die Ursache für die gegenwärtigen Krisen in Ethik und Moral. Alle drei Filme wenden sich gegen den Einfluß des Fernsehens sowie der Fernsehwerbung. In ihnen spiegelt sich die Angst der Digeraten, mit der Entwicklung der neuen Technologie unfreiwillig ein noch wirkungsvolleres Instrument zur Manipulation der Menschen durch eine kleine Minderheit zu schaffen. Zum Ethos der Hacker, das in vielen modernen SF-Stories zum Ausdruck kommt gehört auch die Hoffnung, die Öffentlichkeit erziehen und weniger anfällig für mentale Kontrolle machen zu können, bevor die Instrumente dafür in die Hände der herrschenden Machtelite gelangen."  

    Fazit: Das zentrale Problem jeder Abhandlung über Schöpfertum ist das des richtigen Verhältnises zwischen Freiheit und Kontrolle. Da dieser Prozeß nicht vorhersehbar ist, müssen wir, so Bugaj, "alternative Szenarien entwickeln, um auf jede nur denkbare Möglichkeit vorbereitet zu sein. Die Unbestimmtheit des Universums macht es erforderlich, daß wir uns auf Utopia genauso vorbereiten wie auf Dystopia. Daher die Vielfalt der Meinungen und Prämissen in der Literatur, die das Bücherregal des umsichtigen Cybernauten ziert." 
     

     
     
     
     
    Unser Produkt ist der Künstler
      
    Quelle: FAZ, 14.4.2001, Nr. 88, S. 15 
    von Christian Schubert 

    "Die Macher hinter den Popstars - und wie sie mit der Bedrohung durch das Internet umgehen" so der Untertitel dieses sich mit Frage des Schutzes von Urheberrechten befassenden Beitrags. Im Mittelpukt der Diskussion steht die Musikverbreitung wie sie von Unternehmen wie Napster und MP3.com vertreten wird. Carolyn Kantor, Präsidentin von MP3.com, sieht sich "als Technologiefirma, nicht als Musikunternehmen". Sie vergleicht ihr Unternehmen mit einem Kühlschrank: "Wer will jeweils einen Kühlschrank für Milchprodukte, für Gemüse und so weiter haben?" Für Musikkonzerne ist der Kühlschrank MP3.com eine unschätzbare Datensammlung. Dabei können Künstler auch eigene Websites einrichten und ihre Stücke unter Umgehung eines Platenverlages direkt anbieten. Für Thomas Stein, der bei der Bertelsmann Music Group arbeitet, sind Künstler "unser Produkt".

     
     
     
     
    Nicht erst die Tat, die Illusion allein ist strafbar
      
    Quelle: FAZ, 19.3.2001, Nr. 66, S. 55 
    von Florian Rötzer 

    "Zum Schutz von Kindern vor Pornographen: Müssen auch virtuelle Bilder von Minderjährigen verboten werden?" fragt Florian Rötzer angesichts der technischen Manipulationsmöglichkeiten vor allem bei der Herstelung digitaler Bilder. In den USA kam juristisch das Problem auf, nachdem 1996 der "Child Protection Pornography Act" (CPPA) rechtskräftig wurde. Der Begriff Kinderpornographie umfaßt dabei "alle fotografischen, Film-, Video-, Gemälde-, Computer- und computererzeugten Bilder". Ihre Herstellung, Verteilung und Besitz steht unter Strafe, wenn darauf ein Minderjähriger (unter 18 Jahren) mit einem explizit sexuellen Verhalten abgebildet ist oder es so erscheint, als würde ein Minderjähriger ein explizit sexuelles Verhalten begehen. Es spielt also dabei keine Rolle, ob es die Kinder wirklich gibt oder nicht. Wichtig ist aber "was als wirkliches Kind erscheint". Das neunte Berufungsgericht konnte dieser Argumentation nicht folgen. Der Strafbestand sei nur gegeben, wenn wirkliche Minderjährige beteiligt sind. "Ein Vergehen muß also erst in der wirklichken Welt stattgefunden haben, um es bestrafen zu können, die mölgiche Verursachung von künftigen Vergehen durch die Existenz der Bilder könne man aber nicht bestrafen."  
    Eine Entscheidung durch das Oberste Gericht steht noch aus. Interessant sind aber, so Rötzer, "nicht die möglichen Ansatzpunkte einer Kritik des Verbots von Kinderpornographie, sondern nur die hier dargelegten Begründungsansätze für eine Gleichrangigkeit von realistischen virtuellen und (nicht manipulierten) fotografischen Bildern, die Gleichstellung letztlich von Bildern, die eine durch physikalische Kausalität bewirkte Darstellung von etwas Materiellem sind, und frei generierten Bildern. Sein und Schein verschmelzen, wenn die Darstellungen ununterscheidbar werden."

     
     
     
     
     
    The Enemies of the Internet
    Quelle: Reporters without borders (online edition) (März, 2001) 

    "With nothing more than a computer and an Internet connection, a single person, in their living room or in a cybercafé, can tell the whole world what they think. All they need to do is set up a web site, take part in a newsgroup or send e-mail messages. This person can even freely denounce human rights violations or repression in their fellow countrymen, getting around all the traditional systems of surveillance. From Chile to Algeria, a censoreed newspaper can publish its articles on servers in the United States, France or Scandinavia, in a matter of minutes." 

    Lesen Sie mehr hier.

     
     
     
     
     
    In Afrika ist das Schlagwort "globales Dorf" eine Worthülse

    Quelle: FAZ, 13.3.2001, Nr. 61, S. 5 
    von Udo Ulfkotte 

    Mit Laptop, Moden und einer E-Mail-Adresse lassen sich Menschenrechtsverletzungen und Korruption bekämpfen. Beispiel: Der nigerianische Diktator Abacha ließ die Telefonleitungen der Wochenzeitung "The News" kappen. Daraufhin beschafften sich die Redakteure Informationen über das Internet. Afrika ist aber, so Ulfkotte, "das Sclußlicht der Internet-Revolution. Während ein Zehntel der Weltbevölkerung auf dem Kontinent lebt, repräsentiert es nur ein Hundertstel der Internet-Nutzer." Es fehlen Strom- und Telefonleitungen. Die Studie der Weltbank "Weltwirtschaftsprognosen und die Entwicklungsländer 2001" hat aber den Afrikanern Hoffnung gemacht. Das Internet macht aber nur Sinn, wenn ein entsprechendes Schulsystem und technisches know-how vorhanden ist. Inzwischen wächst aber die digitale Kluft innerhalb Afrikas: während in Südafrika mehr als eine Million Menschen einen Internet-Zugang haben, sind es in Nigeria kaum mehr als zweitausend, in Kongo-Kinshasa nich einmal hundert. Außerdem sind viele der Internet-Nutzer Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen oder Mitarbeiter ausländischer Botschaften oder Unternehmen. 
     

     
     
     
     
    Die Linse Gottes

    Quelle: FAZ, 8.3.2001, Nr. 57, S. 51 
    von Sonja Zekri 

    In diesem Beitrag mit dem Untertitel "www.exekution.com oder Die Reinigung in Furcht und Schrecken: Wird man Timothy McVeighs Hinrichtung im Internet sehen?" berichtet Sonja Zekri über die Pläne der Firma Entertainment Networks Inc. (Eni), die Hinrichtung von Timothy McVeigh, dem Attentäter von Oklahoma (168 Tote, 500 Verletzte), am 16. Mai live auf ihrer Internet-Seite voyeurdorm.com zu übertragen. Motto der derzeitigen Übertragung von College-Girls in "Big-Brother"-Stil: "No script. No censors. No rules". Eni will $ 1,95 pro Nutzer verlangen. 
    Der deutsche "Mediendienstestaatsvertrag" verbietet die Verbreitung von Bildern, die "Menschen, die sterben, in einer die Menschenwürde verletzenden Weise" darstellen. Der FSM-Vorsitzende ("Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia Diensteanbieter"), Arthur Waldenberger, glaubt an die Kraft des Verhaltenskodex für seine Mitglieder. Aber die Bilder auf einem amerikanischen Server sind für die deutschen Behörden unerreichbar. 
     

     
     
     
     
     
    Die Musik seit mit uns

    Quelle: FAZ, 8.3.2001, Nr. 57, S. 49 
    von Eben Moglen 

    Der Autor dieses Beitrags, Eben Moglen, ist Professor für Recht und Rechtsgeschichte an der Columbia University. Der von Michael Bischoff übersetzte Text erschien in "The Nation". Moglen nimmt dabei kritisch auf die Niederlage der Musiktauschbörde Napster Stellung. In Wirklichkeit ist das, so Moglen, der Anfang vom Ende der Branche. Das gilt auch für andere "Inhalte" der Informationsgesellschaft, nicht zuletzt für das Verlagswesen. Niemand kann den Vertrieb von Freeware kontrollieren und... keine Branche kann überlegen, die ihren igenen Markt gerichtlich verfolgt. Im gegenwärtigen System geht Musik durch sechs Hände bevor sie den Laden erreicht. Im Distributionssystem Internet kostet das Recht zur Weitergabe nichts. Die Frage ist nur, so Moglen, "ob jeder Hörer am Ende der Kette weiß, wie er den Künstler bezahlen kann, und dies auch tut." Die Musikindustrie wird dann zum Übergleibsel einer vergangenen Wirtschaftsform. Fazit: Die Giganten werden nicht über Nacht verschwinden, aber sie müssen sich auf Dienstleistungen und Werbung umstellen. Und: dieser Fall gilt für alles, was sich als digitalisieren läßt. "Die Musikindustrie mag sich heute beim Herrgott bedanken, doch ins Gelobte Land wird nicht sie einziehen, sondern wir." 
     

     
     
     
     
    Die Internet-Seite der radikalen Palästinensergruppe Hamas

    Quelle: FAZ, 8.3.2001, Nr. 57, S. 5 

    In einer "Kleinen Meldung" berichtet die FAZ darüber, dass die Internet-Seite der radikalen Palästinensergruppe Hamas von unbekannten Hackern mit pornographischen Abbildungen verunstaltet wurde. Wenige Wochen zuvor hatten palästinensische Hacker israelische Internet-Seiten verunstaltet.

     
     
     
     
     
    "Nackte Ehefrau" schaltet ab
     
    Quelle: FAZ, 8.3.2001, Nr. 57, S. 11 
    von Udo Ulfkotte 

    Am 6. März 2001 wurde der Virus "naked wife" auch unter dem Namen "W32/Naked@MM" "troj-nakedwife" und "W32.HLLW.JibJab@mm" in den USA entdeckt.. Der Trojaner löscht im Windows-Systemverzeichnis alles "dll", "ini", "exe", "bmp" und .com"-Dateien und versendet über MS-Outlook Massen-E-Mails. McAfee beweten den Virus als "hochriskant". Der Kampf zwischen Virenschutzprogrammen und den Entwicklern von Viren gleicht einem "Wettrüsten", so Eric Chien, vom niederländischen Softwarehaus Symantec. Für Kevin Poulsen, der im Alter von siebzehn Jahren ins Netzwerk des Pentagon eindrang (fünf Jahre Freiheitsstrafe), sind solche Virenprogrammierer "von einem übertriebenen Ich-Verständnis" getriebene Autisten. Meistens handelt es sich um Jugendliche, die sich mit einem Mausklich Codes von Viren auf die eigene Festplatte laden und leicht verändern. Über den Ausmaß der Schäden kann man sich in der Website messagelabs.com/viruseye informieren.

     
     
     
     
     
    Ein neuer Schutzschild im Cyberspace

    Quelle: FAZ, 7.3.2001, Nr. 56, S. 7 
    von Udo Ulfkotte 

    Die USA planen neben dem nationalen Raketenabwehrsystem (NMD) auch einen Schutzschild, das ein "digitales Pearl Harbor" verhindern soll. Präsident Bush übernahm von seinem Vorgänger den "Nationalen Plan zum Schutz von Informationssystemen", bei dem das Software "Fidnet" (Federal Intrusion Detection Network) die nationalen Computersysteme überwachen soll. Im ersten Jahr des "Nationalen Plans" stellte das Pentagon 22 000 Angriffe auf seine Rechner fest, von denen etwa 600 "zu Problemen" führten. Die Steuerung amerikanischer Informationssicherheit wird durch eine Vielzahl von betroffenen Institutionen erschwert. Ein völkerrechtswidriges Verbot von "Cyberkrieg" und  "Cyberterrorismus" wird es vermutlich bald nicht geben. 

     
     
     
     
    Mamies an die Maus

    Quelle: FAZ, 5.3.2001, Nr. 54, S. 49 
    von Sandra Kegel 

    "Warum Eltern sich auf Filter für Kinder im Internet nicht verlassen können"? Der Weg eines Schülers auf der Suche nach Material für einen Aufsatz, so Sandra Kegel, führt nicht mehr in die Öffentliche Bibliothek, sondern direkt ins Internet. "Cyber-Mummys" aus allen Teilen der Welt (Mitorganisatorin: Carmee Lim, Vorsitzende der Parents Advisory Group for the Internet) trafen sich in Singapur, um über neue Strategien zu sprechen. Niemand erwartet Wunder von den bekanten Filtern (NetNanny, Cyberpatrol, Sufmonkey). Mehr verspricht die zweite Generation der digitalen Kindersicherung, die Stephen Balkam in Singapur vorstellte. Sie kommt im Sommer auf den Markt. Das Programm ist kostenlos und wurde von der Non-Profit-Organisation Icra entwickelt. AOL, Microsoft und Bertelsmann waren daran beteiligt. Das Programm soll auch einen zusätzlichen Schutz gewährleisten für diejenigen Seiten, die von den Anbietern nicht freiwillig klassifiziert werden. Auch wenn die Pornoindustrie dies aus Eigeninteresse tut, "so wird man vergeblich darauf warten, daß sich der erste Neonazi als solcher selbst klassifiziert." Kritiker, wie Icann-Direktor Müller-Maguhn, sprechen von Zensur. Das Internet hat sich inzwischen zu einem Garten Eden für Kinder entwickelt: Sie finden dort die schicksten Inline-Skater u.v.a.m. In Deutschland bewergen sich heute 46,5 Prozent aller Acht- bis Zwölfjährigen im Netz, weltweit sind es 2,1 Millionen, ein Drittel davon sind als "heavy user" zu bezeichnen. 
     

     
     
     
     
    Abstimmung mit der Maus

    Quelle: FAZ, 27.2.2001, Nr. 49, S. 56 
    von Zhou Deron 

    "Das Internet in China", so Zhou Deron, "wirkt wie das weiche Wasser im taoistischen Gleichnis: Irgendwann hat es den Stein ausgehöhlt, und wir haben es nicht bemerkt. Der Stein: Das sind die Lesegewohnheiten der Chinesen, die ihnen die Kommunische Partei in fünf langen Jahrzenten mit ihren stets positiven Nachrichten eingehämmert hat." Für den Computerspezialist Chen Xiaojun, der bei der High-Tech-Firma Sinolink in Shangai arbeitet, ist Internet seine wichtige Informationsquelle. Seine Lieblingsseite heißt sohu.com, die chinesische Antwort auf Yahoo ("sohu" bedeutet Spürfuchs), deren Nachrichten die der Sendung"RTL-Aktuell" ähneln. Es wächst eine Generation heran, die mit dem Schönwetter der staatlichen Medien nichts anfangen kann. 
     
     

     
     
     
    HALs Auge

    Quelle: FAZ, 17.2.2001, Nr. 41, S.47 
    von Horst Rademacher 

    Das Tech-Museum von San Jose ehrt Kubricks "2001". Die Welt, die Kubrick gemeinsam mit Arthur C.Clarke entwarf ist auch heute Science-fiction. Künstliche Intelligenz gibt es nur in den Vorstellungen von Theoretikern. Die mögliche Gefahr aber, so Rademacher, "geht allerdings nicht von einem einzelnen, abartig veranlagten Superrechner aus. Unbehagen bereitet vielmehr die Bestrebung, das weltweite Netz zum eigentlichen Computer zu machen." Das Risiko der vollständigen Überwachung, wenn alles einmal vernetzt ist, ist groß. 
     

     
     
     
     
    Die Welt im Handy

    Quelle: DIE ZEIT, 15.2.2001, Nr. 8, S. 27 
    ZEIT-Gespräch: Thomas Fischermann und Matthias Naß mit Nokia-Chef Jorma Ollila 

    "In fünf Jahren", so Ollila, "wird man zurückblicken und sich fragen, wie wir jemals ohne das mobile Internet auskommen konnten." Das mobile Internet, so Ollila weiter, muss einfach zu bedienen sein. Auf die Bemerkung, dass das mobile Internet sich für zahlungspflichtige Angebote eignet und eine bessere Lenkung und Überwachung der Nutzer ermöglicht, antwortet Ollila, dass es einen breiten, unbeschränkten Zugang geben wird und das die Benutzer eine Lenkung nicht zulassen werden. Er vergleicht den Wandel der Medien mit der Einführung der Eisenbahn und der Erfindung der Elektrizität. Wie finnisch ist Nokia? "Unser Erfolg", so Ollila, "hat wirklich etwas mit unserer finnischen Kultur zu tun. Unser no-nonsense-Stil, unsere unbürokratische Art und eine traditionell positive Einstellung zu neuer Technik". 
     
     

     
     
     
    Niemand ist an nichts schuld

    Quelle: DIE ZEIT, 15.2.2001, Nr. 8, S. 37 
    von Josef Joffe 

    In diesen Tagen wird in den USA eine Sammelklage gegen IBM angestrengt, weil deren Hollerithzählmaschinen "in KZs benutzt" worden seien und "Unterdrückung und Völkermord erleichtert" hätten. Nachlesen kann man die Geschichte bei Adwin Blacks "IBM und der Holocaust". Josef Joffe äußert sich kritisch auch über die von Finkelstein und Novick geführte Debatte: "Wollen wir demnächst die Firmen verantwortlich machen, die Karteikarten, Kopierstifte und Tätowiertinte hergestellt haben? Das lenkt ab von denen, die den Mord geplant, verfügt und exekutiert haben - und denen, die vor drei Generationen Schuld durch Schweigen oder gar Zustimmung auf sich geladen haben. Wenn alle, nun auch im Ausland, schuldig sind, war niemand an nichts schuld."

     
     
     
     
     
    Gesetzgeber der Menschheit

    Quelle: FAZ, 9.2.2001, Nr. 34, S. 48 
    Gespräch mit Russel Banks (die Fragen stellte Joseph Hanimann) 

    Russel Banks ist der Vorsitzender des 1994 gegründeten Internationalen Schriftstellerparlaments, das von der Brüsseler Kommission mit unterstützt wird. Es bietet Zuflucht für verfolgte Schriftsteller. Banks über die Ziele der Organisation: "Die Zeit des deklamatorischen Engagements ist vorbei. Shelley nannte die Dichter "geheimen Gesetzgeber der Menschheit". Das ist gleichsam die Grundakte des Schriftstellerparlaments." Ein Hauptthema ist die Frage der Zensur. Dazu Banks: "Der dringendste Fall von Zensur ist der, wo ein Autor zum Schweigen gebracht werden soll und, wie in manchen Ländern, physisch bedroht ist. Für diese Fälle sollen die Städte der Zuflucht möglichst auch über Nordamerika ausgedehnt und sollen neue Finanzierungsquellen erschlossen werden. Auf die subtilere Zensur des Markts gibt es die Antwort unserer neuen Zeitschrift "Autodafe", deren erste Nummer auf der letzten Buchmessen in Frankfurt vorgestellt wurde und die gleichzeitig in sechs Sprachen erscheint, bei Feltrinelle in Mailand, Seven Stories Press in New York, Denoel in Paris - nur auf deutsch hat sich leider noch kein Verleger gefunden." Auf die Frage, was bedrängte Autoren machen können, die nicht auswandern wollen, antwortet Banks: "Ein Weg für sie ist das Internet. Es bietet enorme Möglichkeiten - nicht von ungefähr behalten Länder wie China es besonders argwöhnisch im Auge. Schon im Frühjahr soll die Zeitschrift "Autodafe" auch im Internet sein." 
     

     
     
     
     
    Kennzeichen.de

    Quelle: FAZ, 5.2.2001, Nr. 30, S. 55 
    von Sonja Zekri 

    "Hundert Tage Netz-Demokratie: Icanns alte und neue Probleme", nämlich der Widerspruch zwischen der technischen Funktion der "Internet Corporation for Assigned Names and Numbers" (Icann) und den politischen Konsequenzen bleibt hundert Tage nach der Wahl der fünf neuen Direktoren bestehen. Das US-Wirtschaftsministerium hat die Hand auf dem A-Root-Server. "Noch läßt sich nicht sagen, was George W. Bush mit Icann vorhat. Doch sollte man Amerikas oft beschworene "dorment authority" nicht überschätzen; dieser "schlaffende Einlfuß" beruht auf der Anerkennung durch Dritte." Weit bedenklicher scheint, so Zekri, das Verhältnis zu den Registrierungsstellen für die Länderkennungen, wie etwa die "denic" in Frankfurt, zu sein, die Adressen mit der Endung .de registriert. Icann möchte für die Adressenverwaltung Gebrühren erheben. Die Wahlen zu Icann wirft neue Fragen auf: "Wie kann man die Wähler beim nächsten Mal bewegen, nicht nur für den nationalen Kandidaten zu stimmen? Wie gleicht man Unterschiede zwischen armen und reichen Ländern aus?", "Wie läßt sich diese amorphe Nutzergruppe von Japan bis Yorkshire organisieren?". 
    Die Firma VeriSign bietet seit kurzem Internet-Adressen in chinesischer, koreanischer oder japanischer Schrift. Das wird von Icann mit höchster Sorge beboachtet, denn die Firma zwingt nicht nur alle Domain-Inhaber, ihre Namen noch einmal in ihren Sprachen zu registrieren, sondern sie eröffnet auch ein rivalisierendes Universum. Juristisch habe man keine Handhabe, so Icann-Chefstratege Andrew McLaughlin.

     
     
     
     
     
    Unerwünschte E-Mails kosten Milliarden

    Quelle: FAZ, 3.2.2001, Nr. 29, S. 13 

    "fri. BRÜSSEL, 2. Februar. Mehr als 10 Milliarden Euro kostet die Verbraucher der Empfang von unerwünschter, über das Internet verschickter Werbepost. Dies geht aus einer Studie über sogenannte "Junk-E-Mails" hervor, die die Europäische Kommission am Freitag veröffentlicht hat. Mit Hilfe der neuen Informationstechnik könne ein einziges Internet-Marketingunternehmen täglich 500 Millionen personalisierte E-Mails über das Netz verschicken, sagte der zuständige EU-Kommissar, Frits Bolkestein. "Wir sollen den Ausbau des Internet-Angebots vorantreiben, ohne das Recht des einzelnen auf Schutz seiner Privatsphäre zu schmälern", sagte er. Die Ergebnisse der Studie werde die Kommission berücksichtigen, wenn sie Vorschläge für neue EU-Datenschutzvorschriften vorlegen werde. In den einzelnen EU-Mitgliedstaaten werde der Rechtsschutz gegen unerwünschte E-Mails unterschiedlich gesichert. Entweder müsse der Nutzer angeben, daß er keine unerwünschten Informationen erhalten will. Oder er muß ausdrücklich darum bitten, Informationen zu erhalten. Letzteres sei vorgeschrieben in Österreich, Dänemark, Finnland, Italien und Deutschland. Der Vorschlag der Kommission für die überarbeitete EU-Datenschutzrichtlinie sieht den letzteren Ansatz vor. Er könne das Vertrauen der Verbraucher in das Internet stärken; ferner sei es auch aus Sicht der Unternehmen einfacher, Marketing zu betreiben, wenn die Genehmigung der Verbraucher vorliege, hieß es in der Studie."

     
     
     
     
     
    Talent für den Code

    Quelle: FAZ, 1.2.2001, Nr. 27, S. 55 
    von Sonja Zekri 

    "Afrika im Netz: Auch zehn Jahre nach der Unabhängigkeit Namibias verläuft der digitale Graben zwischen Schwarz und Weiß". Am "Ende der Welt" ("Werelds End"), "im kargen Nordwesten Namibias, sind Strom und Telefon seltener als Regen, deshalb wird der Rechner im Büro des Ausbildungslagers mit Sonne und Wind betrieben. Im Computer verwaltet die Umweltschützerin Wanda Esterhuizen Daten über Nashörner, Elefanten und Zebras, doch auch die Nachbarin hängt an der Leitung. Wenn sie den Fernseher einschaltet, stürzt das Programm ab." Im nächsten Jahr soll aber der Breitband-Kabelring um Afrika ("Africa one") direkt vor der namibischen Küste liegen. Internet-Experten wie John Perry Barlow und die Weltbank sind der Meinung, dass allein mehr Wissen und das heißt mehr Vernetzung Afrika aus Armut und Not retten kann. Die Weltbank finanziert die "African Virtual University", das Studenten afrikanischer Universitäten mit Professoren in der Ersten Welt verbindet. Das Projekt "Schoolnet" versucht, schwarze Kinder ans Netz zu bringen. Höhepunkt ist der jährliche "Insect@thon", ein Digitalisierungswettbewerb von Insektenkarteien. Der durchschnittliche afrikanische Online-Zugang wird von drei Menschen zugleich genutzt. "Das Netz läßt die User nicht vereinsamen, sondern führt sie zusammen. Vielleicht kann der Norden dies von Afrika lernen."

     
     
     
     
     
    Bits statt Bomben

    Quelle: FAZ, 15.1.2001, Nr. 12, S. 3 
    von Udo Ulfkotte 

    In diesem Beitrag mit dem Untertitel "Auf dem Weg zum digitalen Schlachtfeld. Kritiker warnen vor "Cyberwar"-Hysterie", berichtet Udo Ulfkotte über die Bedrohungen einer digitalen Kriegsführung (cyberwar): "In der Vergangenheit war die Bundeswehr vor Cyber-Angriffen weitestgehend geschützt, da ihre Rechner nicht mit öffentlichen Netzen verbunden waren. Seitdem jedoch zunehmend technische Aufgaben an private Dienstleister vergeben werden, deren Rechenzentren an das öffentliche Datennetz angeschlossen sind, wachsen die Risiken." Ulfkotte verweist u.a. auf folgende Fälle: 

    - 1977: Die NSA (National Security Agency) setzte fünfzig Computerfachleute bei einem zwei Wochen dauernden Planspiel ein: Sie sollten nordkoreanische Agenten simulieren, die die Aufgabe hätten, die USA zwei Wochen lang zu blockieren. Den "Hackern" gelang es, sich in die Schaltzentralen amerikanischer Stromversorger sowie in die Rechner des Pazifik-Einsatzkommandos einzuhacken 

    - Januar 1999: eine britische Militärfachzeitschrift berichtet über ein amerikanisches Kriegsschiff, das angeblich von Computerhackern ferngesteuert wurde. Es handelte sich dabei um einen "überwachten Test" des Pentagon. 

    Kritiker des "cyberwar" warnen jedoch vor einer Hysterie, die eher von den Geheimdiensten geschürt wird, mit dem Ziel, sich neue Gelder zu verschaffen. 
     

     
     
     
     
    Wie das Internet die Weltpolitik verändert

    Quelle: FAZ, 10.1.2001, Nr.8, S. 8 
    von Prof. Dr. Karl Kaiser, Otto-Wolff-Direktor des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Berlin. 

    "Diktaturen", so Karl Kaiser im Untertitel dieses Beitrags, "werden es schwerer haben, und die Prägekraft der Territorialstaaten wird abnehmen". Das Internet hat die Entwicklung der internationalen und transnationalen Beziehungen dramatisch verändert. Durch die Abschaffung der geographischen Entfernung als Kommunikationshindernis, können nicht nur Großorganisationen, sondern auch Individuen mit anderen Individuen und Organisationen (z.B. mit NGOs) auf der ganzen Welt (in Echtzeit) in Kontakt treten: "Das Internet wird zum Turbolader der Globalisierung". Das gilt für Wirschaft und Politik gleichermaßen. Kaiser erwähnt das Abkommen zwischen der EU und der USA im Bereich des Datenschutzes als Beispiel für die Lösung der dadurch entstehenden Probleme aufgrund der (teilweise) Aushöhlung der Regulierungsfähigkeit der Staaten. Das Internet hat widersprüchliche Auwirkungen auf die Demokratie: Es untergräbt Informationsmonopole (Beispiel: VR China), stellt aber zugleich die Legitimität bzw. die Wirkung nationaler Gesetze in Frage. Die Abschwächung des Staates wird von Anhängern des Liberalismus und Internationalismus begrüsst. Das Internet verschärft aber auch bestehende Machtverhältnisse, indem es die reichen Staaten begünstigt. Das gilt auch für die Fähigkeit, mit "soft power", d.h. mit Hilfe von Wissen und Information, die internationale Entwicklung zu beeinflussen. All das führt aber, nach Meinung von Kaiser, nicht zum Verschwinden des Nationalstaates, sondern zur Bildung eines Netzwerkes von Beziehungen, wo "die Diplomatie von morgen ein neues Betätigungsfeld" findet. Die langfristigen Folgen sind aber so wenig vorhersehbar, wie die Wirkung des Buchdruckes. 
     

     
     
     
     
    Die Zukunft der Arbeit
     

    Quelle: FAZ vom 4.1.2001, Nr. 3 S. 45 
    von Juan Somavia, Direktor der International Labor Organization (ILO) 
     
    "Sind wir für die Globalisierung gerüstet?" fragt Somavia, ehemaliger chilenischer Spitzendiplomat und Direktor der ILO. Gemeint ist insbesondere die "Wissensökonomie" und die Herausforderungen durch die Globalisierung der Unternehmen. Es gibt, so Somavia, immer noch "eine große Kluft zwischen den Besitzenden und den Besitzlosen". Durch den globalen Wettbewerb sind Arbeitsplätze gefährdet. Die Ungleichheiten werden stärker. Die Unternehmen und internationalen Organisationen verlieren den Kontakt zu den Bedürfnissen und Ängsten der Menschen: "Zur Zeit sind eine Milliarde Menschen arbeitslos. Hier liegt eine der größten Schwächen der globalen Ökonomie." Somavia schlägt vor, neue Organisationsformen, wie z.B. virtuelle Gewerkschaften, wie z.B. das Union Network International, zu schaffen "Die Herausforderung besteht darin, politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen eine moralische Orientierung zu geben und sicherzustellen, daß diese Entscheidungen auf universalen Prinzipien der Fairneß und Chancengleichheit gegründet sind, ohne dabei die Notwendigkeit wirtschaftlichen Wachstums und steigender Produktivität aus den Augen zu verlieren." 

     

     
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