DAS DIGITALE ZEITALTER DENKEN

Rafael Capurro
 
 

   
Jahrestagung der Martin-Heidegger-Gesellschaft: Heidegger und die Philosophie der planetarischen Technik. Plenarvortrag, Meßkirch, 11.-13. Oktober, 2019. (PowerPoint)



    

Se possibile fussi che tu ti levassi insino alla luna, quando il giorno essa sanza luce passa per lo nostro emisperio, il sole specchiato nell'acqua occuperebbe tutte l'acque da lui alluminate, e sendo cosí tale offizio farebbe il mondo a chi fusse nella luna, quale fa la notte a noi la luna quando luce. [Leonardo da Vinci, Codice Atlantico, c.677r ex 250rb.]

Come la terra non è nel mezzo del cerchio del sole né nel mezzo del mondo ma è ben nel mezzo de sua elementi e uniti con lei, e chi stessi sulla luna, quand'essa insieme col sole è sotto a noi, questa nostra terra coll'elemento dell'acqua parrebbe e farebbe offizio tal qual fa la luna a noi. [Leonardo da Vinci, Codice Atlantico, c. 518r ex 190ra.]

Zitat nach: Carlo Vecce: La biblioteca perduta. I libri di Leonardo. Roma, Ed. Salerno 2017, 59


Einführung

Am 3. Januar 2019 um 03.26 Uhr mitteleuropäischer Zeit setzte die chinesische Mondsonde Chang'e-4 – genannt nach der Mondgöttin Chang'e – nach zwei Wochen Flug und sechs Jahre nachdem ihre Vorgängerin Chang'e-3 auf dem Mond gelandet war, als Erste auf der Rückseite des Mondes auf. DerMondrover Yutu-2 (Jadehase) übertrug Bilder aus 384.000 Kilometer Entfernung mittels des Satelliten Queqiao (Elsterbrücke), dessen Name sich aus der Volkssage von Kuhhirt und Weberin, einer verbotenen Liebesgeschichte, ableitet (Wikipedia: Chang'e-4). Getrennt durch den "Silberfluß" (Jyutping), den die abendländische Mythologie Milchstraße nennt, durften sich die Liebenden einmal im Jahr vereinen, dank einer von einem Schwarm von Elstern gebildeten Brücke (Ding 1990, 35).

Das Wort 'Planet' stammt aus dem Griechischen πλανήτης "Wanderer" (Wikipedia: Planet). Das griechisch-englische Wörterbuch von Liddell-Scott führt folgende Bedeutungen von πλανάω aus: "cause to wander, lead from the subject (in talking), lead astray, mislead, deceive" (Liddell, Scott 1940). 'Satellit' leitet sich aus dem Lateinischen satelles ("Weggefährte") ab.

Fünfzig Jahre zuvor, am 21. Dezember 1968 um 7:51 Ortszeit, startete die Apollo 8-Mission  vom Kennedy Space Center und erreichte am 24. Dezember die Mondumlaufbahn. Die drei Astronauten Frank Borman, William Anders und James Lovell waren die ersten Menschen, die mit eigenen Augen die Rückseite des Mondes sahen. Die erste Live-Fernsehübertragung fand am 22. Dezember aus einer Entfernung von 221.940 km zur Erde statt. Sie dauerte 15 Minuten. Aber erst bei der nächsten Fernsehübertragung, 24 Stunden später, gelang Frank Borman die ersten Live-Bilder  der Erde aus 325.000 km Entfernung. William Anders machte das erste Farbbild des Erdaufgangs. Alle drei lasen als Weihnachtsbotschaft die ersten Zeilen der biblischen Schöpfungsgeschichte vor (Genesis 1, 1-10) (Wikipedia: Apollo 8; Apollo 8 Genesis reading).  Das Apollo Program wurde von der Eisenhower-Administration Anfang der 60er Jahren als Fortsetzung des Project Mercury konzipiert (Wikipedia: Apollo Program, Project Mercury). Beide Projekte tragen Götternamen aus der griechischen bzw. römischen Mythologie.

Die Sowjetunion setzte den ersten künstlichen Erdsatellit Sputnik 1 (vom путь (put) 'der Weg') am 4. Oktober 1957 (Orstzeit 2:50 Uhr, 5. Oktober) im Umlauf zur Überraschung vor allem der US-Amerikaner (Wikipedia: Sputnik 1). Was als 'Sputnikschock' bekannt wurde, beschleunigte die Raketenprogramme (Wikipedia: Sputnikschock). Präsident Einsenhower unterzeichnete am 29. Juli 1958 den "National Aeronautics and Space Act". Die NASA nahm ihren Betrieb am 1. Oktober 1958 auf (Wikipedia: Geschichte der NASA). Der erste bemannte Weltraumflug gelang dem Kosmonauten Juri Gagarin (1934-1968) mit dem Raumschiff Wostok 1 (Восток vom Russ. Osten) am 12. April 1961 (Wikipedia: Juri Gagarin; Wostok 1). Walentina Wladimirowna Tereschkowa (geb. 1933) – Funkrufname 'Tschaika' (Möwe) – war die erste Frau im Weltraum. Sie startete am 16. Juni 1963 an Bord von Wostok 6  eine zwei Tage, 22 Stunden und 50 Minuten dauernde Reise ins All (Wikipedia: Walentina Wladimirowna Tereschwoka). Sally Kristen Ride (1951-2012) flog 1978 als erste US-Amerikanerin in den Weltraum (Wikipedia: Sally Ride). Die International Raumstation ISS (International Space Station) – ein gemeinsames Projekt der NASA, der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, der europäischen Raumfahrtagentur ESA sowie der Raumfahrtagenturen Kanadas und Japans – ist seit dem 2. November 2000 dauerhaft von Astronauten bewohnt (Wikipedia: Internationale Raumstation).

Der Schnappschuss des Astronauten William Alison Anders (geb. 1933) am Bord der Apollo 8 hat sich als "Erdaufgang" ("Earthrise") in Anspielung an Sonnen- und Mondaufgang in das kulturelle Gedächtnis der Menschheit eingeprägt (Wikipedia: Apollo 8). Es gab Vorläufer. Am 26. Juli 1948 lieferte eine mit Kameras bestückte V2 Rakete, Hitlers "Wunderwaffe", Bilder vom Golf von Kalifornien aus einer Entfernung von 1100 Kilometer (Grothe 2013, Michel und Horsten 2018). "V2" steht für "Vergeltungswaffe 2" als Bezeichnung für "Aggregat 9" (A9), die aber, so wenig wie "Aggregat 10", verwirklicht wurde. Ein einziger Versuchsstart wurde unter der Bezeichnung "Aggregat 4b" im Januar 1945 ausgeführt (Wikipedia: Aggregat 9; Aggregat 10; Kliebenschedel 2004). Die US Air Force begannen 1946 mit der Entwicklung einer Interkontinentalrakete mit einer Reichweite von 8000 km. Das Projekt wurde aber erst 1951 angesichts der sowjetischen Aufrüstung als Projekt MX-1593 oder "Atlas" wiederbelebt (Wikipedia: Atlas Rakete). Der Sowjetunion gelang mit dem Start von "R-7" am 21. August 1957 der erste erfolgreiche Flug einer Interkontinentalrakete (Wikipedia: R-7). Am 17. Dezember desselben Jahres erfolgte der erste Flug der "Atlas A" Rakete.

In der Vorlesung "Nietzsches Metaphysik" von 1940 schreibt Heidegger:

"Das Klassische dieser sich selbst in die Hand nehmenden Selbstprägung des Menschen besteht in der einfachen Strenge der Vereinfachung aller Dinge und Menschen auf das Eine der unbedingten Ermächtigung des Wesens der Macht für die Herrschaft über die Erde. Die Bedingungen dieser Herrschaft, d.h. alle Werte, werden gesetzt und erwirkt durch eine vollständige "Machinalisierung" der Dinge und durch die Züchtung des Menschen." (Heidegger 1961, 308).

In der Abhandlung "Die seinsgeschichtliche Bestimmung des Nihilismus" entstanden  1944/46, heißt es:

"Die halb eingestandene, halb geleugnete Heimatlosigkeit des Menschen hinsichtlich seines Wesens wird ersetzt durch das Einrichten der Eroberung der Erde als eines Planeten und den Ausgriff in den kosmischen Raum. Der heimatlose Mensch läßt sich – durch den Erfolg seines Leistens und seines Ordnens immer größerer Massen seiner Art – in die Flucht vor seinem eigenen Wesen treiben, um sich diese Flucht als die Heimkehr in die wahre Humanität des homo humanus vorzustellen und in seinen eigenen Betrieb zu nehmen." (Heidegger 1961, 395).

Der US-amerikanische Historiker und Technikphilosoph Lewis Mumford (1895-1990) schrieb ein zweibändiges opus (1967/1970) mit dem Titel "The Myth of the Machine" in der vor allem die destruktiven Formen der "Megamaschine" analysiert werden. Das Buch schließt mit dem Satz:

"Hält die Menschheit sich an die von der technokratischen Gesellschaft gestellten Bedingungen, dann bleibt ihr nichts anderes übrig, als deren Pläne für einen beschleunigten technischen Fortschritt mitzumachen, auch wenn alle lebenswichtigen Organe des Menschen ausgeschaltet werden, um die sinnlose Existenz der Megamaschine zu verlängern. Doch an denen von uns, die den Mythos der Megamaschine abgeschüttelt haben, liegt es, den nächsten Schritt zu tun: Denn die Tore des technokratischen Gefängnisses werden sich trotz ihrer verrosteten alten Angeln automatisch öffnen, sobald wir uns entschließen hinauszugehen." (Mumford 1984, 833).

Zu den am schwersten destruktiven Formen der Megamaschine gehören Kolonialismus, Rassismus, Völkermord, Sklaverei und ökologische Krise (Großklaus 2017).

Die epochemachende planetarische Entwicklung verdankt sich insbesondere der seit Mitte des vorigen Jahrhunderts entwickelten digitalen Informationstechnik. Die digitale Informationstechnik ist, neben der Kernenergie, die Basis auf dem die Menschheit im 21. Jahrhundert sich ihrer selbst als Ganzes versichert – und verunsichert. Beide Technologien sind zutiefst ambivalent weil sie die physische Auslöschung der Menschheit oder ihre diskrete symbolische Auflösung in Form des Codes 0/1 als Möglichkeiten in sich bergen. Die digitale Technologie stellt die Basis für das gesellschaftliche, ökonomische und politische Zusammenleben ohne aber einen zureichenden Grund für eine friedliche, gerechte und nachhaltige Einheit der Menschheit gewährleisten zu können.

Der Titel dieses Vortrags weist auf diese geschichtliche Lage hin. Es geht darum, das digitale Zeitalter denken im Sinne eines Denkens des digitalen Zeitalters (genitivus objectivus), das heisst, das digitale Zeitalter in seinem Sein zu fassen und dabei das Denken, welches sich als das Denken des digitalen Zeitalters (genitivus subjectivus) bestimmt in seiner seinsgeschichtlichen Grenze zu begreifen. Damit beschäftigt sich der zweite Teil des Beitrags. Ihm geht ein einführender Teil über das Verhältnis von Natur, Sprache und Information voraus.

 

1.  Natur, Sprache und  Information

Am 18. November 1953 hielt Heidegger einen Vortrag mit dem Titel "Die Frage nach der Technik" in der Reihe "Die Künste im technischen Zeitalter" veranstaltet von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (Heidegger 1967). Zu Beginn macht Heidegger die folgende programmatische Aussage die mutatis mutandis auch für das Informationszeitalter gilt, das seit der Verbreitung des Internet in den 80er Jahren auch digitales Zeitalter (digital age) genannt wird:

"Wir fragen nach der Technik und möchten dadurch eine freie Beziehung zu ihr vorbereiten. Frei ist die Beziehung, wenn sie unser Dasein dem Wesen der Technik öffnet. Entsprechen wir diesem, dann vermögen wir es, das Technische in seiner Begrenzung zu erfahren." (Heidegger 1967, 5)

Wir stellen uns die Frage nach dem Wesen der Information sowie des digitalen Zeitalters, wobei 'Wesen' (verbal verstanden) ein geschichtlicher Vorgang meint, dessen freie Entsprechung uns erlauben soll, Information sowie auch, worauf später eingegangen wird, Digitalität, in ihrer epochalen Begrenzung zu erfahren. Voraussetzung dafür ist, dass wir das Dasein als "In-der-Welt-sein", das heißt, als "Unverborgenheit" in ihrer dreidimensionalen Zeiterstreckung vernehmen, um so "Seiendes – aus der Verborgenheit herausnehmend – in seiner Unverborgenheit (Entdecktheit) sehen lassen." (Heidegger 1976, 219). Wenn Heidegger das Wesen der Technik als "eine Weise des Entbergens" deutet (Heidegger 1967, 12), so tut er das auch in bezug auf  das Wesen der Information in Zusammenhang mit dem "Entbergen" der Natur, wonach "die Natur in irgendeiner rechnerisch feststellbaren Weise meldet und als ein System von Informationen bestellbar bleibt." (Heidegger 1967, 22). Wenn das Wesen der Technik "Ge-stell" genannt wird (Heidegger 1967, 23), dann liegt es nahe, das Wesen der Information "Informations-Gestell" zu nennen (Capurro 1995: 71; 2000).

In der Münchner Vortragsreihe hielt Werner Heisenberg einen Vortrag mit dem Titel "Das Naturbild der heutigen Physik". Er schreibt: "Die Naturwissenschaft steht nicht mehr als Beschauer vor der Natur sondern erkennt sich selbst als Teil des Wechselspiels zwischen Menschen und Natur. Die wissenschaftliche Methode des Aussonderns, Erklärens und Ordnens wird sich der Grenzen bewußt, die ihr dadurch gesetzt sind, daß der Zugriff der Methode ihren Gegenstand verändert und umgestaltet, daß sich die Methode also nicht mehr vom Gegenstand distanzieren kann. Das naturwissenschaftliche Weltbild hört damit auf, ein eigentlich naturwissenschaftliches zu sein." (Heisenberg 1954, 67). Heisenberg äußert sich kritisch gegenüber dem "Fortschrittsglauben" und bemerkt, dass der Mensch "als geistiges Wesen" "mehr Dimensionen [hat] als nur die eine, in de er sich in den letzten Jahrhundert ausgebreitet hat." (Heisenberg 1954, 69).

Im Wintersemester 1966/67, fand an der Universität Freiburg ein von Heidegger und Eugen Fink gemeinsam veranstaltetes Heraklit-Seminar statt. In der ersten Sitzung kommt das auch von Heisenberg angesprochene Phänomen der Steuerung zur Sprache, dass er in Zusammenhang mit der "Ausbreitung der materiellen und geistigen Macht" bei der Steuerung eines Schiffes vergleicht (Heisenberg 1954, 68). Heidegger und Fink beginnen mit der Erörterung einiger Fragmente von Heraklit, darunter Fragment 64: "Das Weltall aber steuert der Blitz" (τὰ δὲ πὰντα οἰακίζει κεραυνός) sowie Fragment 41: "Eins nur ist das Weise, sich auf den Gedanken zu verstehen, als welcher alles auf alle Weise zu steuern weiß." (εἶναι γὰρ ἓν τὸ σοφόν, ἐπίστασθαι γνώμην, ὁτέη ἐκυϐέρνησε πάντα διὰ πάντων) in der Dielsschen Übersetzung (Heidegger, Fink 1970, 11-14).

Heidegger fragt, ob man "das Steuern aus Fragment 64 (οἰακίζει) und aus Fragment 41 (ἐκυϐέρνησε) in Zusammenhang mit dem διὰ im Sinne von "alles durch alles hindurch" bringen kann. Was für einen Sinn hat es von Steuern zu sprechen, wenn die Wandlungen des Feuers, bei denen "alles in alles übergeht" sich so vollziehen, wie Fink bemerkt, dass "nicht das Bestimmte in seiner Prägung bleibt, sondern sich nach einer unerkennbaren Weisheit durch Gegensätze hindurchbewegt." (Heidegger, Fink 1970, 22) "Das Steuern als Phänomen", so Fink, "ist die Bewegung eines Menschen, der etwa ein Schiff in eine gewünschte Richtung bringt. Es ist das Dirigieren einer Bewegung, das ein vernünftiger Mann betreibt." (Heidegger, Fink 1970, 23). Heidegger erwidert, dass es nicht darum geht "den Heraklit an sich hervorzaubern zu wollen, sondern er spricht mit uns und wir sprechen mit ihm. Im Augenblick denken wir über das Phänomen des Steuerns nach. Dieses Phänomen ist gerade heute im Zeitalter der Kybernetik so fundamental geworden, daß es die ganze Naturwissenschaft und das Verhalten des Menschen beansprucht und bestimmt, so daß es uns dazu nötigt, über es mehr Klarheit zu gewinnen." (Heidegger, Fink 1970, 23).

Zur Diskussion steht, ob das Phänomen der "Gewaltsamkeit" wesenhaft zum Phänomen der Steuerung gehört, was Fink im Falle des Menschen im Gegensatz zum "gewaltlosen Steuern der Götter" bejaht und das Beispiel des Steuermanns eines Schiffes nennt: "Durch sein Steuern entzieht er das Schiff gewaltsam dem Spiel der Winde und Wellen." (Heidegger, Fink 1970, 24) Zu fragen wäre aber, ob gewaltsames und gewaltloses Steuern mit dem zu tun haben, was die Griechen metis im Sinne von List, praktischem Können und Wissen nannten, was auf je eigener Weise Göttern und Menschen eigen ist wie Marcel Detienne und Jean-Pierre Vernant ausführlich dargelegt haben (Detienne, Vernant 1974).

Heidegger fragt, ob die Kybernetik, die "unser Leben heute die in steigendem Maße beherrscht" nicht "selbst gesteuert" ist und ob dieses Phänomen, dass Fink mit εἱμαρμένη und "Geschick" in Verbindung bringt, ein "gewaltloses Steuern" wäre (Heidegger, Fink 1970, 24-25). Wie steht es aber, so das Gespräch weiter, im Falle der Genetik? Bei der Manipulation der Erbfaktoren würde man, so Fink, von Gewalt sprechen. Heidegger merkt an: "Die Genetiker sprechen angesichts der Gene von einem Alphabet, von einem Informationsarchiv, das in sich eine bestimmte Menge von Informationen speichert." (Heidegger, Fink 1970, 25) Von Gewalt würde man in diesem Kontext, so Fink, nur im Falle eines menschlichen Eingriffs sprechen im Gegensatz also, so Heidegger, zur "informations-theoretischen Interpretation des Biologischen". Er äußert Bedenken darüber, "ob in der kybernetischen Biologie der Begriff der gewaltsamen Steuerung am Platz ist" (Heidegger, Fink 1970, 26). Fink bemerkt: "Unter Information versteht man einmal das informare, die Prägung, das Formeinpressen und zum anderen die Nachrichtentechnik." Heidegger fragt: "Wenn die Gene das menschliche Verhalten bestimmen, entfalten sie dann die in ihnen liegenden Nachrichten?" Fink antwortet: "Gewissermaßen. Bei den Nachrichten handelt es sich hier nicht um die, die der Mensch aufnimmt. Gemeint ist, daß er sich so verhält, wie wenn er einen Befehl aus dem Genespeicher bekäme. Von hier aus gesehen wir die Freiheit zur geplanten Freiheit." (Heidegger, Fink 1970, 26-27). Im Informationsbegriff liegt also, so Heidegger abschließend, "eine Zweideutigkeit" vor, die er so zusammenfasst: "Information besagt also einmal das Prägen und zum anderen das Nachricht-Geben, auf das der Benachrichtete reagiert. Durch die kybernetische Biologie werden die menschlichen Verhaltensweisen formalisiert und die gesamte Kausalität wird verwandelt." (Heidegger, Fink 1970, 27). Heidegger beschließt die Seminarsitzung mit Heraklits Fragment 47: μὴ εἰκῆ περὶ τῶν μεγίστων συμϐαλλώμεθα: "Übersetzt lautet es, daß wir nicht ins Blaue hinein, d.h. unbedacht über die höchsten Dinge unsere Worte zusammenbringen." (Heidegger, Fink 1970, 27)

Erwähnt sei in diesem Zusammenhang, das 1948 erschienene Buch von Norbert Wiener "Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine"  (Wiener 1965). Der Verfasser weist darauf hin, dass er den Namen "cybernetics" vom Griechischen "χυβερνήτης [sic] or steersman" ableitet und nennt das Steuern der Lenkmaschinen ("steering engines") eines Schiffs als eine der ersten und bestentwickelten Form von "feedback mechanisms" (Wiener 1965, 12).

In der Vorlesung "Der Satz vom Grund" vom Wintersemester 1955/56 (Heidegger 1971) beantwortet Heidegger die Frage, was es heißt, dass jetzt "die Forschung ihr ganzes Absehen in einem neuen Stil darauf richten [sic], die freigesetzten Naturenergien zu bändigen" mit dem Hinweis, dass

"Die Nutzbarkeit der Atomenergie und dem zuvor ihre Berechenbarkeit auf eine Weise sicherstellen, daß diese Sicherstellung ihrerseits ständig das Einschalten neuer Sicherungen herausfordert. Dadurch steigert sich die Gewalt des Anspruches auf die Zustellung des zureichenden Grundes ins Unabsehbare. Unter dieser Gewalt des Anspruches festigt sicht der Grundzug des heutigen menschlichen Daseins, das überall auf Sicherheit arbeitet. [...] Die Arbeit an der Sicherstellung des Lebens muß jedoch selber ständig sich neu sichern das Leitwort für diese Grundhaltung des heutigen Daseins lautet: Information. Wir müssen das Wort in der amerikanisch-englischen Aussprache hören." (Heidegger 1971, 202)

"Information besagt", so Heidegger, "einmal die Benachrichtigung, die den heutigen Menschen möglichst schnell, möglichst umfassend, möglichst eindeutig, möglichst ergiebig über die Sicherstellung seiner Bedürfnisse, ihres Bedarfes und dessen Deckung unterrichtet." (Heidegger 1971, 203). Diese Bestimmung von Information gilt heute in noch höherem Maße als damals. Heidegger setzt fort:

"Demgemäß gewinnt die Vorstellung von der Sprache des Menschen als einem Instrument der Information in steigendem Maße die Oberhand. Denn die Bestimmung der Sprache als Information verschafft allererst den zureichenden Grund für die Konstruktion von Denkmaschinen und für den Bau der Großrechenanlagen. Indem jedoch die Information in-formiert, d.h. benachrichtigt, formiert sie zugleich, d.h. sie richtet ein und aus. Die Information ist als Benachrichtigung auch schon die Einrichtung, die den Menschen, alle Gegenstände und Bestände in eine Form stellt, die zureicht, um die Herrschaft des Menschen über das Ganze der Erde und sogar über das Außerhalb dieses Planeten sicherzustellen. In der Gestalt der Information durchwaltet das gewaltige Prinzip des zuzustellenden zureichenden Grundes alles Vorstellen und bestimmt so die gegenwärtige Weltepoche als eine solche, für die alles auf die Zustellung der Atomenergie ankommt." (Heidegger 1971, 203; Capurro 1981).

Man braucht heute nur Big Data oder das Internet der Dinge zu erwähnen, um zu begreifen, warum das digitale Zeitalter denken als Aufgabe verstanden werden sollte, den rufenden Geist der Zeit eine selbst bestimmte Antwort zu geben, anstatt uns von ihm allein bestimmen zu lassen. 

Sowohl im Heidegger-Fink Seminar von 1966/67 als auch in der zehn Jahre zuvor gehaltenen Vorlesung von 1955-56 ist die Rede von dem Informationsbegriff im Sinne von "Prägung" als auch im Sinne von "Benachrichtigung". Die Bedeutung von Benachrichtigung "in der amerikanisch-englischen Aussprache" ist diejenige, die Heidegger in den fünfziger Jahren hört – er betont, dass "in-formiert" ein Formieren mittels Benachrichtigung bedeutet –, während im Fink-Seminar andere Bedeutungen von Formung hörbar werden, die auf die lateinische Herkunft (informare) hinweisen. In beiden Fällen bleibt aber der griechische Ursprung des Informationsbegriffs ungedacht. Ähnliches gilt für das von Medard Boss verfasste und 1971 erschienene Buch "Grundriss der Medizin und der Psychologie", das, so Boss, "seine ganze Werdezeit über von der unermüdlichen Aufmerksamkeit Martin Heideggers begleitet" wurde (Boss 1975, 9).

"Information", so Boss, "ist Mitteilung jeweils bestimmter Bedeutungsgehalte von Menschen an Menschen. Sie ist mitmenschliche Übermittlung von Bedeutungsgehalten, die den sich Informierenden jeweils von dem ihnen in ihrer gemeinsamen Welt Begegnenden her aufgehen." (Boss 1975, 56).

Boss und mit ihm Heidegger stellen sich kritisch gegenüber der Bestimmung von Information durch die "Informationstheorie in der Biologie und Physiologie" wonach Information "plötzlich eine bestimmte Art von Anordnung chemisch-physikalischer Gehirnvorgänge und Strukturierungen" bedeutet (Boss 1975, 56). Die Kritik bezieht sich auf eine "Analogisierung beider Erscheinungen" (Boss 1975, 56), die letztlich auf eine "informationstheoretische Interpretation des Menschen" führt (Boss 1975, 58).

Es war Carl Friedrich von Weizsäcker, der mir die geistigen Augen bezüglich des griechischen Ursprungs des Informationsbegriffs öffnete. In einem Vortrag, gehalten in der Vortragsreihe "Die Sprache" der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München und Berlin 1959 mit dem Titel "Sprache als Information" schreibt er: "Wir Menschen, eines von den Begriffen Descartes' dominierenden Zeitalters werden etwa fragen: "Was bezeichnet das Wort Information? Ein materielles Ding, etwa die Druckerschwärze auf dem Telegrammzettel oder einen Bewußtseinsinhalt, also das, was ich denke, wenn ich das Telegramm lese?" Diese Frage hat die Informationstheoretiker unserer Tage beunruhigt, und sie sind zu dem vielleicht noch mehr beunruhigenden Ergebnis gekommen: Keins von beiden." (Weizsäcker 1974, 50-51) Information, ist nicht

"unser jeweiliger Bewußseinsakt, sondern das, was dieser Bewußtseinsakt weiß, ein beiden, sonst so verschiedenen bewußten Personen Gemeinsames, ist die Information. Man beginnt sich daher heute daran zu gewöhnen, daß Information als eine dritte, von Materie und Bewußtsein verschiedene Sache aufgefaßt werden muß. Was  man aber damit entdeckt hat, ist an neuem Ort eine alte Wahrheit. Es ist das platonische Eidos, die aristotelische Form, so eingekleidet, daß auch ein Mensch des 20. Jahrhunderts etwas von ihnen ahnen lernt." (Weizsäcker 1974, 51).

Der Hinweis auf Information als eine von Materie und Bewußtsein verschiedene Sache bezieht sich auf das Diktum Norbert Wieners "Information is information, not matter or energy. No materialism which does not admit this can survive in the present day." (Wiener 1965, 132). Weizsäcker fährt fort:

"Sogar die Herkunft des Wortes "Information" gibt uns diesen Wink. Schlägt man in einem lateinischen Wörterbuch unter dem Verbum informare nach, so findet man als eigentliche Bedeutung "formen", "gestalten", als übertragene "Im Geist gestalten", "sich vorstellen", und von da aus informatio als "Abbild", "Vorstellung", "Begriff". Mittelalterlich ist dann der Gebrauch als "Unterweisung", von dem unser Sprachgebrauch sich herleitet. Information ist also wohl so etwas wie das Bringen der Form in der Materie oder der Materie in die Form. Wie sich die Autoren dies auch jeweils gedacht haben mögen: Informatio kann nur im Begriffspaar Form-Materie verstanden werden und ist dem Begriffspaar Bewußtsein-Materie ursprünglich fremd." (Weizsäcker 1974, 51-52).

Letzteres trifft insofern zu, als Bewußtsein eine neuzeitliche Kategorie ist, aber nicht insofern sowohl im antiken und mittelalterlichen Latein mit informatio nicht nur das Formen von Materie (informatio materiae), sondern auch von Wahrnehmung und Intellekt (information sensus, informatio intellectus) sowie der Seele im pädagogischen Sinne von sittlicher Bildung (informatio morum) gemeint ist, deren Ursprung in den bedeutungschweren griechischen Begriffen τύπος (typos), μορφή (morphé), εἶδος (eidos), ἰδέα (idéa) zu finden ist.

Weizsäckers Hinweise waren der Ansporn für eine ausführliche Erörterung der lateinischen Herkunft und des griechischen Ursprungs des Informationsbegriffs, die mich seit Ende der 70er Jahre bei der Aufgabe das digitale Zeitalter zu denken, begleitet hat und es noch tut (Capurro 1978). Weizsäcker ist zuzustimmen, dass seit dem 17. Jahrhundert einen einschneidenden Bruch mit der im metaphysischen Sinne verstandenen ontologischen Deutung des Informationsbegriffs als Formung der Materie zugunsten der seit der Neuzeit in der Alltagssprache vorherrschenden Bedeutung von Wissensmitteilung stattfindet. Dieser Bruch lässt sich bei René Descartes nachweisen. Obwohl die Gegenstände der Außenwelt ihre Eindrücke in unserem Gehirn hinterlassen, ist dieser materielle Formungsprozess, anders als bei Aristoteles, abgekoppelt vom Erkenntnisprozess (Capurro 1978, 152-153).

Descartes nennt "Ideen" die Formen unserer Gedanken nicht insofern diese materiell im Gehirn eingeprägt sind, sondern insofern sie unseren Geist ("mens"), der sich ihnen zuwendet "informieren" ("informant") (Descartes 1996, VII, 160-161). Wie André Lalande im "Vocabulaire technique et critique de la philosophie" ausführt, wird an diesem Text aus den "Secundae Responsiones" der "Meditationes de prima philosophia" den Übergang vom (neo)scholastischen Sinne von "informer" im Sinne von "donner une forme à une matière" zur (modernen) Bedeutung von "faire connaître quelque chose à quelqu'un" sichtbar (Lalande 1962, I, 514). Wie der Medienhistoriker John Durham Peters bemerkt, mit dem "fieberhaften Niederreißen mittelalterlicher Institutionen" ("feverish demolition of medieval institutions") im 17. und 18. Jahrhundert, verlor die Bedeutung von Information im Sinne von Formung der Materie und die damit zusammenhängende Vorstellung vom einem durch Formen geordneten Universum an Glaubwürdigkeit. Das bewirkte eine grundlegende Umkehrung in der Bedeutung von Information ("a  massive inversion in the meaning of information") (Peters 1988, 12; Capurro 2009, 120-130; Capurro, Hjørland 2003).

Dieser Wandel des Informationsbegriffs kommt in der Bedeutungsentwicklung des Bildungsbegriffs zum Ausdruck. In ihrer Königsberger Dissertation "Der Bedeutungswandel der Worte "bilden" und "Bildung" in der Literatur-Epoche von Gottsched bis Herder" aus dem Jahr 1931, bemerkt Ilse Schaarschmidt: "Niemand hat mehr dazu getan, die Fremdwörter "Edukation" und "Information" durch ein Deutsches Wort zu ersetzen als gerade der junge Wieland und niemand weniger als Lessing" (Schaarschmidt 1931, 46; Capurro 1978, 177) Wieland wurde vom A. Shaftesburys Gebrauch der Worte "form" und "selfformation" beeinflusst (Schaarschmidt 1931, 35). Im Dreizehnten Brief "Über die ästhetische Erziehung des Menschen" schreibt Schiller in Abkehr von Kant:

"Um uns zu teilnehmenden, hilfreichen, tätigen Menschen zu machen, müssen sich Gefühl und Charakter mit einander vereinigen, so wie, um uns Erfahrung zu verschaffen, Offenheit des Sinnes mit Energie des Verstandes zusammentreffen muß. Wie können wir, bei noch so liebenswürdigen Maximen, billig, gütig und menschlich gegen andere sein, wenn uns das Vermögen fehlt, fremde Natur treu und wahr in uns aufzunehmen, fremde Situationen uns anzueignen, fremde Gefühle zu den unsrigen zu machen? Dieses Vermögen aber wird sowohl in der Erziehung, die wir empfangen, als in der, die wir selbst uns geben, in demselben Maße unterdrückt, als man die Macht der Begierden zu brechen und den Charakter durch Grundsätze zu befestigen sucht. [...] In diese Operation ["Gefühl und Charakter mit einander zu vereinigen" RC] besteht dann auch größtenteils das, was man einen Menschen formieren nennt, und zwar im besten Sinne des Worts, wo es Bearbeitung des innern, nicht bloß des äußern Menschen bedeutet." (Schiller 1977, 53).

Hier sind sowohl die lateinische Herkunft von "informatio" als auch der griechische Ursprung wenngleich unausdrücklich wieder hörbar. Gleich zu Beginn von "Wahrheit und Methode" erörtert Hans-Georg Gadamer den Bildungsbegriff indem er an die Dissertation von Ilse Schaarschmidt anknüpft und auf das "lateinische Äquivalent für Bildung" nämlich "formatio" hinweist. Er schreibt:

"Gleichwohl erscheint der Sieg des Wortes 'Bildung' über 'Form' nicht zufällig. Denn in 'Bildung' steckt 'Bild'. Der Formbegriff bleibt hinter der geheimnisvollen Doppelseitigkeit zurück, mit der 'Bild' Nachbild und Vorbild zugleich umfaßt." (Gadamer 1975, 7-8).

Gadamer geht aber dem griechischen Ursprung und der lateinischen Herkunft von "informatio" nicht weiter nach. Das tut auch nur kursorisch Helmut Schnelle in seinem Beitrag "Information" im "Historischen Wörterbuch der Philosophie" (Schnelle 1976). Schnelle erwähnt die antike lateinische Bedeutung von "informatio" im Sinne von "Vorstellung" und "Klarung des Inhaltes eines Wortes" bei Cicero sowie von "Belehrung" bei Augustinus sowie den mittelalterlichen ontologischen Gebrauch von "Gestaltung der Materie durch die Form" und fügt hinzu, dass "bereits in der Scholastik 'informatio' teilweise auch auf die Formung des Intellekts beschränkt" vorkommt. (Schnelle 1976, 356). Dem ist entschieden zu widersprechen. Der Begriff "informatio" spielt eine entscheidende Rolle nicht nur in der "Scholastik", sondern auch im klassischen Latein sowie in der Spätantike. Vom griechischen Ursprung erwähnt Schnelle lediglich die Übersetzung des rhetorischen Ausdrucks χαρακτηρισµός.

Nach diesen knappen historischen Erläuterungen kommt Schnelle ausführlicher zu den "neueren Explikationen" zu sprechen, darunter hauptsächlich aus Informationstheorie, Semiotik, Logik und Linguistik sowie Hinweise auf Norbert Wieners Diktum "Information is information, not matter or energy" und auf Carl Friedrich von Weizsäckers Zitat über "das platonische Eidos" und "die aristotelische Form" und will das Weizsäcker Zitat in Absehung von "metaphysischen Konnotationen" lediglich im Sinne der "semantischen Informationstheorie" verstanden wissen (Schnelle 1976, 357).

Die Fortentwicklung der Diskussion um den Informationsbegriff in den letzten vierzig Jahren führte in die entgegen gesetzte Richtung, nämlich zu einer Naturalisierung des Informationsbegriffs oft in Anschluss an jene vormodernen Deutungen, die Schnelle "metaphysisch" nennt (Capurro 2009, 2017b). Weizsäcker definiert Information zwar "als eine Form oder Gestalt oder Struktur", die "sprachlichen Charakter und Eindeutigkeit" hat, lässt aber die Möglichkeit offen, Information "nicht-sprachlich" aufzufassen, wenn zum Beispiel "moderne Biologen" in der Genetik "völlig legitim von Information" sprechen (Weizsäcker 1974, 52-53). Weizsäckers Vorbegriff von Information im Sinne einer Form, die sprachlichen Charakter und Eindeutigkeit hat, führt in das Gebiet des information retrieval und somit in den Kern des digitalen Zeitalters. Der französische Soziologe Alain Touraine und der US-amerikanische Soziologe Daniel Bell sprachen Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre von der "postindustriellen Gesellschaft" (société post-industrielle, post-industrial society) (Touraine 1969, Bell 1973), die Bell auch "Informationsgesellschaft" (information society) nannte (Bell 1976, 46). Information wurde das Codewort des neuen digitalen Zeitalters.

2. Von der Hermeneutik der Fachinformation zur digitalen Ontologie

Der 'Sputnikschock'  von 1957 beschleunigte nicht nur die US-Raketenprogramme, sondern trug wesentlich zur Wahrnehmung der politischen Bedeutung wissenschaftlich-technischer Information bei. Der sogenannte Weinberg-Report "Science, Government, and Information" (Weinberg 1963), genannt nach Alvin Weinberg,  Vorsitzender des Panel on Science Information des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy und Direktor des Oak Ridge National Laboratory, gilt als eine wichtige Antwort auf die planetarische Herausforderung und wurde zu einem Meilenstein des computergestützten information retrieval. Weniger Jahre später, 1970, wurde das International Nuclear Information System (INIS) an der International Atomic Energy Agency  (IAEA) gegründet, mit dem Ziel, wissenschaftlich-technischer Information auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Kernenergie zu sammeln und 127 UN Mitgliederstaaten sowie 24 mitwirkenden internationalen Organisationen mittels Computertechnik zu verarbeiten und verfügbar zu machen. Die Zentralstelle für Atomkernenergie Dokumentation, (ZAED) war der deutsche INIS Partner. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahren wurde die ZAED zum Fachinformationszentrum Karlsruhe ausgebaut und bildete 1983 zusammen mit Chemical Abstracts Service (CAS) und das Japan Center for Science and Technology (JICST) ein internationales Netzwerk (STN International).

Die digitale Vernetzung, die in den 60er Jahren ihren Anlauf nahm, gipfelte vorläufig 1989 mit der Erfindung des World Wide Web-Programm durch Tim Berners-Lee, der am European Particle Physics Laboratory (CERN) arbeitete. Im Jahre 1990 wurden 4500 Online-Datenbanken von mehr als 500 Hosts angeboten. Microsoft bot im Jahre 1995 Windows 95 an. In 2003 und 2005 fand das von den Vereinten Nationen veranstaltete World Summit on the Information Society (WSIS) in Genf (2003) und Tunis (2005) statt. Die Suchmaschine Google ist seit 1997 online, Facebook wurde 2004 gegründet, Apple führte das iPhone 2007 ein. Big Data, Roboter, Internet der Dinge und Algorithmen, ante portas. Um nur einige highlights des digitalen Zeitalters zu erwähnen, die das soziale, ökonomische und politischen Leben der Menschen bestimmen, sofern sie nicht aus verschiedenen Gründen ausgeschlossen bleiben so dass die Menschheit "vernetzt gespalten" ist (Scheule, Capurro, Hausmanninger 2004). Wir leben in message societies (Capurro, Holgate 2011).

Die philosophische Auseinandersetzung mit der Computertechnologie und insbesondere mit dem information retrieval im Sinne einer Methode zur Verarbeitung, Speicherung, Wiederfindung und Verbreitung von digitalisierter Information befand sich in den 70er Jahren in den Anfängen. Die Düsseldorfer Philosophen Alwin Diemer (1920-1986) und Norbert Henrichs (1935-2016) waren Pioniere. Henrichs baute eine text-basierte philosophische Dokumentation an der Universität Düsseldorf auf (Capurro 1986, 56-67). Es galt, das Phänomen des Verstehens von im Computer gespeicherten Daten nicht nur als eine im methodologischen Sinne hermeneutische Frage aufzufassen, sondern zuvor und grundlegend die Frage zu erörtern, wie das Verhältnis zwischen Mensch und Computer das Menschsein selbst bestimmt. In meiner "Hermeneutik der Fachinformation" bezog ich mich auf Heideggers "Sein und Zeit" (Heidegger 1976), Hans-Georg Gadamers "Wahrheit und Methode" (Gadamer 1975) und  Medard Boss' "Grundriss der Medizin und der Psychologie" (Boss 1975) um Grundzüge des Menschseins, nämlich das Miteinandersein der Menschen in einer gemeinsamen Welt, der Grundzug der Mitteilung und der Praxis-Bezug und das Fragen in Zusammenhang mit dem "Online-Dialog" zu bringen. (Capurro 1986, 98-119; 1985; 1992a).

Dabei spielt das Phänomen des Vorverständnisses sowohl beim Aufbau von Datenbasen als auch beim retrieval eine entscheidende Rolle. Auf der einen Seite findet sich, schematisch dargestellt, der offene Horizont des Fragenden bestehend aus der "Mit-geteilten Weltoffenheit", den Sachverhalten in ihrem Bedeutungs- und Verweisungszusammenhängen, dem Vorverständnis der Fachgemeinschaft und dem Vorverständnis des Fragenden und, auf der anderen Seite, der fixierte Horizont des Systems mit unterschiedlichen Arten verobjektivierter Vorverständnisse wie etwa Fachklassifikationen oder Thesauri:

"Beim Online-Dialog vollzieht sich eine mehrfache "Horizontverschmelzung" auf unterschiedlichen Ebenen statt wie, zum Beispiel, auf einer "kontextfreien" Ebene, in der die Fachbegrifflichkeit des Fragenden, die eine offene und "diachronische" ist, mit den fixierten "synchronischen" Thesaurusbegriffen zusammenkommt." (Capurro 1986, 170-171).

Entscheidend dabei ist, dass die Offenheit des Menschseins in Verhältnis zu den verobjektivierten digitalen Vorverständnissen  wahrgenommen wird. Das gilt heute im Hinblick auf die globale digitale Vernetzung umso mehr. Worum es bei einer digitalen Hermeneutik in existentiellen Sinne geht, ist nicht mehr und nicht weniger als die Frage nach dem Menschsein im Sinne eines freien und offenen Existierens (Capurro 1990). Das digitale Zeitalter denken heißt die heutige Wandlung des Menschseins begreifen.

In den 80er Jahren vollzog sich die hermeneutische Reflexion über die Informationstechnik oft mit Bezug auf Heidegger Zeuganalyse in "Sein und Zeit" (Heidegger 1976, 66-88). So zum Beispiel im Falle des 1986 erschienenen Buches des US-Informatikers und KI (Künstliche Intelligenz) Forschers Terry Winograd und Fernando Flores, ein chilenischer Ingenieur und ehemaliger Staatsminister unter Salvador Allende, mit dem Titel "Understanding Computers and Cognition. A New Foundation for Design" in dem die "rationalistische Tradition" aus hermeneutischer Sicht hinterfragt wurde (Winograd, Flores 1986). Im Vorwort des Buches schreiben sie: "We encounter the deep questions of design when we recognise that in designing tools we are designing ways of being." (Winograd, Flores 1986, xi; Capurro 1987). Der Einfluss dieser hermeneutischen Werkzeug-orientierten Interpretation der Computertechnologie zeigte sich an einer internationalen Konferenz mit dem Titel "Software Development and Reality Construction", die von der Informatikerin Christiane Floyd veranstaltet wurde (Floyd et al. 1992; Capurro 1992).

Zwei Mitorganisatoren dieser Konferenz, nämlich Reinhard Budde und Heinz Züllighoven, verfassten eine Dissertation mit dem Titel "Software-Werkzeuge in einer Programmierwerkstatt. Ansätze eines hermeneutisch fundierten Werkzeug- und Maschinenbegriffs" (Budde, Züllighoven 1990). Schließlich seien zwei US-amerikanische Philosophen, nämlich Hubert L. Dreyfus (1929-2017) (Dreyfus 1991, 2001; Capurro 2018) und Don Idhe (Ihde 2010) erwähnt, die sich über Jahrzehnte mit der Computertechnologie aus hermeneutischer und phänomenologischer Sicht befasst haben. Meine Antworten auf die globalen Herausforderungen der Informationstechnik seit Mitte der 90er Jahren waren zum einen in Form von Vorträgen und Aufsätzen  (Capurro 1995) und zum anderen in der Gründung des International Center for Information Ethics (ICIE) mit einer Buchreihe im Fink Verlag sowie und der online kostelosen Zeitschrift International Review of Information Ethics (IRIE). ICIE und IRIE wurden in diesem Jahr von der University of Alberta (Canada) übernommen. Die Buchreihe startete 2002 mit einem von Thomas Hausmanninger und mir herausgegebenen Band mit dem Titel "Netzethik. Grundlegungsfragen der Internetethik" (Hausmanninger, Capurro 2002).

Ein besonderer Höhepunkt der Aktivitäten des ICIE war ein internationaler Kongress mit dem Titel "Localizing the Internet. Ethical aspects in intercultural perspective", der 2004 im Karlsruhe Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) stattfand und wo zum ersten Mal ethische Fragen des Internet aus interkultureller Sicht behandelt wurden (Capurro, Frühbauer, Hausmanninger 2007). Besondere Schwerpunkte meiner internationalen Aktivitäten waren Kongresse und Workshops in China, Japan, und Brasilien sowie eine Kooperation mit der University of Pretoria (South Africa) seit 2007, die zur Gründung des African Centre of Excellence for Information Ethics (ACEIE) an der University of Pretoria im Jahr 2012 führte.

Im Jahre 1995 lud mich Massimo Negrotti, Direktor des Laboratory for the Culture of the Artificial an der Universität von Urbino, zu einem Vortrag zum Thema Künstlichkeit ein. Ich sprach über "computational artitificiality" and "existential artificiality" (Capurro 1995a). Der Vortrag wurde ins Deutsche übersetzt und einige Jahre später veröffentlicht. Ich zitiere den Schluss:

"Die Gestaltung unseres Lebens durch elektronische Netzwerke wie das Internet kann als ein wichtiger Beitrag zu einer global-vernetzten Kultur angesehen werden, für die sich die Machtfrage in einer neuen Weise stellt – ebenso wie im Falle der geographischen Grenzen oder der bisherigen Transport- und Kommunikationsmedien (Fleissner et al. 1995). In einer solchen Situation brauchen wir mehr denn je Praktiken und im besonderen körperliche Erfahrungen, durch die wir in Berührung mit der Kontingenz unseres Lebens wie auch mit der Kontingenz der natürlichen und künstlichen Welt kommen. Wir können dann lernen, nicht nur auf den Spiegel, sondern auch jenseits (nicht durch oder hinter!) von ihm zu schauen. Transzendieren bedeutet darüber hinaus gehen. Es mag sein, dass wir entdecken, dass es jenseits der Künstlichkeit nichts gibt, so wie es auch jenseits von Natur und Existenz nichts gibt, außer gerade der einfachen Tatsache zu sein. Wir benutzen künstlich wie natürlich Seiendes (einschließlich unser Leben), um eine solche Dimension zu verbergen. Sich dessen gewahr zu werden, ist der Hauptbeitrag der philosophischen Übungen, welche gerade in früheren Zeiten aufs Engste mit körperlichen Erfahrungen verbunden waren (Capurro 1995)." (Capurro 2003).

Ich war weiterhin auf der Suche nach einem grundlegenden Verständnis des digitalen Zeitalters. 

Wenige Jahre später, in 1999, begann ich ein Email-Gespräch mit dem australischen Philosophen und Heidegger-Forscher Michael Eldred, der uns zur Entwicklung einer "digitalen Ontologie" führte. Ich zitiere meine Anfangsgedanken zu diesem Dialog:

"Ich bezeichne unsere gegenwärtig vorherrschende Seinsdeutung in Abwandlung des Satzes von George Berkeley „Das Sein der Dinge ist ihr Wahrgenommensein“ („Their esse is percipi“) (Berkeley 1965: 62) mit dem Satz „esse est computari“. Das bedeutet also keineswegs, alles sei bloß virtuell oder die Dinge bestünden, "essentialistisch" gedacht, aus bits, sondern es bedeutet, dass wir meinen, etwas in seinem Sein erklärt und verstanden zu haben, wenn wir es auf der Basis von Zahlen und Punkten im elektromagnetischen Medium erfassen. Es wäre auch möglich, diesen Satz so zu formulieren: „esse est informari“, wobei der Informationsprozess im Sinne eines im elektromagnetischen Medium stattfindenden Formungsprozesses zu verstehen ist. Die globale digitale Vernetzung ist die Art und Weise, wie wir heute jene Totalität erfahren und gestalten, die die Metaphysik das Seiende im Ganzen nannte. Der Ursprung dieses digitalen Weltentwurfs liegt, so meiner These, in der griechischen Metaphysik. Im Rahmen dieser Einführung ist es nicht möglich, die weitere Entwicklung, etwa über Raimundus Lullus, Blaise Pascal, René Descartes, Gottfried Wilhelm Leibniz, die britischen Empiristen, die Erfindung des Computers usw., nachzuzeichnen." (Capurro 2010, 218).

Als Ausgangspunkt der digitalen Ontologie diente uns eine Passage aus Heideggers Sophistes-Vorlesung vom Wintersemester 1924-25 bei der es um die Bestimmung der Zahl bei Aristoteles ging (Heidegger 1992, 117). Mein Beitrag schließt mit folgenden Sätzen:

"Die digitale Ontologie bedenkt ein Code und ein Medium, nämlich die digitale Weltvernetzung, in dem unser Sein sich der Weise eines vielfältigen Rufens und Angerufenwerdens abspielt, wo also die Grenzen zwischen der one-to-many-Struktur der Massenmedien und der one-to-one-Struktur der Individualmedien beim Telefon im Hegelschen Sinne „aufgehoben“ werden. Wenn wir uns des griechischen Wortes für message, nämlich angelia, erinnern, dann können wir sagen, dass wir eine neue angeletische Situation vor uns haben, deren Fundament gegenwärtig die digitale Ontologie darstellt. Ich nenne die Wissenschaft, die sich mit dem Phänomen (dem Code) Bote/Botschaft befasst, Angeletik (vgl. Capurro 2003). Die Hermeneutik – als Theorie des Verstehens von Botschaften – setzt stillschweigend dieses Phänomen voraus. Die digitale Sicht des Seienden im Ganzen (holon), dass wir also alles, was ist, nur dann in seinem Sein zulassen, wenn wir es im Horizont des Digitalen verstehen, macht die Kernthese der digitalen Ontologie aus. Sofern sie sich darüber im Klaren ist und diesen Seinsentwurf nicht für den einzig gültigen hält, mutiert sie nicht zur digitalen Metaphysik (vgl. Capurro 2006)." (Capurro 2010a, 227-228)

Dieser Ansatz wurde im Rahmen eines interdisziplinären Projekts "Internet-Privacy. Eine Kultur der Privatsphäre und des Vertrauens im Internet" der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) ausgeführt (Buchmann 2012; Capurro, Eldred, Nagel 2013). Zwei Grundeinsichten möchte ich aus diesem Mitdenken hervorheben. Zum einen, die Nivellierung der Differenz zwischen Wer-sein und Was-sein, die sich aus der digitalen Verdinglichung des Wer-seins ergibt. Zum anderen, die Nivellierung der dreidimensionalen Zeitlichkeit, die der Digitalisierung zugrunde liegt. Das digitale Zeitalter denken bedeutet, die Wandlung des Menschseins zum "Homo Digitalis" in ihrer geschichtlichen Bestimmung und Begrenzung zu fassen und dies im Rahmen einer digitalen Ethik ontisch zu explizieren (Capurro 2017; 2017a).

Das so von ihrem geschichtlichen Seinshorizont her erfasste Wesen (verbal verstanden) der "Digitalität" (Stalder 2017) betrifft das korrelierende Wesen der Sprache als Information, sofern das Seinsverhältnis zugleich ein Sprachverhältnis ist. Weizsäcker hat dieses Sachverhalt in der bereits erwähnten Vortragsreiche "Die Sprache" im Jahr 1959 folgendermaßen ausgesprochen:

"Sprache kann sich zu Gehör bringen, indem man spricht. Dabei wird man auch über etwas sprechen, und das, worüber man spricht, kann etwas Sprachliches sein. Aber indem man darüber spricht, ist es nicht die ganze Sprache; die Sprache selbst steht noch hinter dem Sprechenden. Damit habe ich schon die Struktur dessen angedeutet, was ich überhaupt heute sagen will. Was soll ein Vortrag über Information in einer Tagung über Sprache? Ich habe soeben ein wenig mit dem Begriff "über" gespielt, dem Begriff des Sprechens über einen Gegenstand. Vielleicht die schärfste Fassung des Sprechens über einen bestimmten, deutlich angegebenen Gegenstand ist die exakte Wissenschaft. Information ist ein Begriff, der zur exakten Wissenschaft in naher Beziehung steht. Das Thema "Sprache als Information" stellt die Frage nach den Wesenzügen der Sprache, indem sie zum Träger exakter Wissenschaft werden lassen." (Weizsäcker 1974, 40)

Was Weizsäcker hier mit einer gewissen Ironie bezüglich des Begriffs eines Sprechens "über" die Sprache andeutet, wird von Heidegger in einem Text der 1953/54 entstand und mit dem Titel "Aus einem Gespräch von der Sprache" im Band "Unterwegs zur Sprache" erstmals 1959 veröffentlicht wurde, wird im Gespräch "zwischen einem Japaner und einem Fragenden" wie folgt zur Sprache gebracht:

"F Ein Sprechen über die Sprache macht sie fast unausweichlich zu einem Gegenstand.
J Dann entschwindet ihr Wesen.
F Wir haben uns über die Sprache gestellt, statt von ihr zu hören.
J Dann gäbe es nur ein Sprechen von der Sprache...
F in der Weise, daß es von ihrem Wesen her gerufen und dahin geleitet wäre.
J Wie vermögen wir solches?
F Ein Sprechen von der Sprache könnte nur ein Gespräch sein.
J Darin bewegen wir uns ohne Zweifel.
F Aber ist es ein Gespräch vom Wesen der Sprache her?
J Mir scheint, wir bewegen uns jetzt im Kreis. Ein Gespräch von der Sprache muß von  ihrem Wesen gerufen sein. Wie vermag es dergleichen, ohne selber erst auf ein Hören sich einzulassen, das sogleich ins Wesen reicht?
F Dieses seltsame Verhältnis nannte ich einmal den hermeneutischen Zirkel.
J  Er besteht überall im Hermeneutischen, also dort, wo nach ihrer heutigen Erläuterung das Verhältnis von Botschaft und Botengang waltet.
F Der Botengänger muß schon von der Botschaft herkommen. Er muß aber auch schon auf sie zugegangen sein.
J Sagten Sie früher nicht, dieser Zirkel sei unausweichlich; statt zu versuchen, ihn als einen vermeintlich logischen Widerspruch zu vermeiden, müssen man ihn gehen?
F Gewiß. Aber diese notwendige Anerkennung des hermeneutischen Zirkels bedeutet noch nicht, daß mit der Vorstellung des anerkannten Kreises der hermeneutische Bezug ursprünglich erfahren ist.
J  Sie würden also ihre frühere Auffassung preisgeben?
F Allerdings – und zwar insofern, als die Rede von einem Zirkel stets vordergründig bleibt.
J Wie würden Sie jetzt den hermeneutischen Bezug darstellen?
F Ich möchte eine Darstellung ebenso entschieden vermeiden wie ein Sprechen über die Sprache." (Heidegger 1975, 149-151)

Hier sind zwei aufeinander bezogene Sachverhalte angesprochen, auf die ich kurz eingehen möchte. Zum einen, geht es um den Unterschied zwischen einem Sprechen "über" und einem Sprechen "von" der Sprache. Zum anderen, wird das Sprechen "von" der Sprache in einem kritischen Verständnis zu dem was Heidegger "einmal den hermeneutischen Zirkel" nannte und jetzt "das Verhältnis von Bote und Botschaft" genannt wird. Nur am Rande sei es bemerkt, dass im § 32 von "Sein und Zeit" die Rede vom "Zirkel im Verstehen" und im § 63 vom "Zirkel" des Verstehens mit Bezug auf die "hermeneutische Situation" ist. Es ist Gadamer, der in "Wahrheit und Methode" ausdrücklich vom "hermeneutischen Zirkel" spricht und sich dabei auf § 63 von "Sein und Zeit" bezieht (Gadamer 1975, 250). Ein Sprechen "über" die Sprache ist das, was im digitalen Zeitalter, wie Weizsäcker zu Recht betont, Information genannt wird. Information meint das digitale 'in-formieren' oder Einprägen von Sprache auf der Basis des binären Code 0/1. Ein nicht-objektivierendes Verhältnis zur Sprache bedeutet, demgegenüber, ein Sprechen "von" der Sprache.

Im Vortrag "Der Weg zur Sprache" die Heidegger in der Tagung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 1959 hielt, bezieht er sich ausdrücklich auf Weizsäckers Vortrag "Sprache als Information" in dem Weizsäcker "dieses in sich zurücklaufendes Verhältnis" einen Zirkel und zwar einen unvermeidlichen, zugleich aber sinnvollen" nennt (Heidegger 1975a, 243). Bei Weizsäcker heißt es:

"Daß es Sprache als Information gibt, darf niemand vergessen, der über Sprache redet. Daß Sprache als Information uns nur möglich ist auf dem Hintergrund einer Sprache, die nicht in eindeutige Information verwandelt ist, darf niemand vergessen, der über Information redet. Was Sprache ist, ist damit nicht ausgesprochen, sondern von einer bestimmten Seite her als Frage aufgeworfen." (Weizsäcker 1974, 60).

In diesem Zusammenhang sei es auf den berühmten Schlusssatz von Ludwig Wittgensteins "Tractatus logico-philosophicus", der 1921 in den "Annalen der Naturphilosophie" erschienen ist. Er lautet: "7 Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen" (Wittgenstein 1984, 85, meine Hervorhebungen). Spricht er aber nicht schon davon, wenn er zu Recht meint, dass es Sachverhalte gibt, die sich "zeigen" aber worüber man nicht sprechen kann? Das führt uns zum Verhältnis zwischen Bote und Botschaft, dass Heidegger in Zusammenhang mit einem nicht-objektivierenden Sprechen "von" der Sprache zur Sprache bringt oder, genauer gesagt, im Gespräch zur Sprache kommen läßt. Dieses Lassen sehe ich als den entscheidenden Unterschied zur hermeneutischen Erörterung von Sprache in "Sein und Zeit". Der Unterschied besteht meines Erachtens darin, dass im Falle dieses, wie ich es nennen möchte, angeletisches Verhältnis von Bote und Botschaft, darum geht, auf die Sprache "von ihrem Wesen" her zu hören. Wir, die Hörenden, müssen als "Botengänger" zugleich von der Botschaft herkommend "schon auf sie zugegangen sein". Dieses ursprüngliche angeletische Verhältnis, liegt also der objektivierenden Trennung von Sender und Empfänger voraus, welche die Grundlage der heutigen planetarischen digitalen message society ist (2015).

Dieses ursprüngliche angeletische Verhältnis liegt auch dem "echten Sinn von Phänomen" als "Sichtzeigen" zugrunde, wie zu Beginn von "Sein und Zeit" dargelegt wird (Heidegger 1975, 30). Man kann daraus schließen, dass Heideggers Denkwege in ihrem Selbstverständnis, nicht nur geschichtlich wie er mit Bezug auf Wilhelm Dilthey und Paul Graf Yorck von Wartenburg am Schluss von "Sein und Zeit" bemerkt (Heidegger 1975, 397-404), sondern auch angeletisch sind. Der späte Heidegger vollzieht in diesem Sinne eine Wende von der Hermeneutik zur Angeletik, die aber schon im "echten Sinn von Phänomen" gegeben war. Die angeletische Situation liegt der hermeneutischen Situation zugrunde. Eine Botschaft kann nur gedeutet werden, wenn sie als solche empfangen und verstanden wird. Beides, das Mitteilen und das Verstehen gehören ursprünglich zusammen. Gadamer schreibt zu Beginn des Beitrags "Hermeneutik" im "Historischen Wörterbuch der Philosophie":

"Hermeneutik ist die Kunst des ἑρμηνεύειν, d.h. des Verkündens, Dolmetschens, Erklärens und Auslegens, Hermes hieß der Götterbote, der die Botschaften der Götter den Sterblichen ausrichtet. Sein Verkünden ist offenkundig kein bloßes Mitteilen, sondern Erklären von göttlichen Befehlen, und zwar so, daß er diese in sterblicher Sprache und Verständlichkeit übersetzt. Die Leistung der H. besteht grundsätzlich immer darin, einen Sinnzusammenhang aus einer anderen "Welt" in die eigene zu übertragen." (Gadamer 1974, 1061).

Die Hermeneutik hat sich aber auf das Geschäft des Erklärens beschränkt, und die Frage des Übertragens nicht als solche thematisiert zumal bezüglich des griechischen Begriffs für Bote/Botschaft (ἄγγελος, ἀγγελία) (Capurro 2003a, 90-104). Ich verstehe die Geburt des philosophischen λόγος aus dem Geiste der ἀγγελία wie folgt:

"Der vertikale Charakter der Übertragung von heiligen Botschaften in der feudalen Gesellschaft des antiken Griechenland wurde durch eine horizontale Form der Botschaftsverbreitung in Frage gestellt, die mit zwei gegensätzlichen, aber verwandten Namen getauft wurde, nämlich Sophistik und Philosophie [...] Anstelle der vertikalen Botschaft tritt der philosophische logos und der dialektische Mitteilungsprozeß, d.h. das sachliche Fragen auf der Basis jener Botschaften, die uns die Sinne und allem voran die Vernunft (nous) mitteilen und die der Kritik unterworfen werden. [...] Philosophische messages sind also, was ihre Form betrifft, keine imperativen, sondern indikative oder optative Botschaften. Sie beabsichtigen, den Empfänger zu überzeugen, nicht ihn zu Befolgung aufzufordern." (Capurro 2003a, 112, 114-115)

Die Einsicht in die Ereignishaftigkeit des Geschichtlichen und die Botschaft, die jeweils vom herrschenden Zeitgeist verkündet wird, sind das, was das dialogische und interkulturelle Denken in die Verantwortung ruft, um das Wesen des Sichzeigenden zu erfassen und ins allgemeine Bewusstsein des Zeitalters zu heben, so dass seine gegenüber der Gedankenlosigkeit des Zeitgeistes anstößige und unbotmäßige Stimme hörbar wird (Nettling 2018).

 

Ausblick

Am 6. Juni 1959 hielt Heidegger einen Vortrag mit dem Titel "Hölderlins Erde und Himmel" bei der Tagung der Hölderlin-Gesellschaft in München. Am Schluss dieses Vortrags weist er auf eine "Tatsache" hin und äußert eine "Wesensvermutung". Er schreibt:

"Die Tatsache enthält dieses: Der gegenwärtige planetarisch-interstellare Weltzustand ist in seinem unverlierbaren Wesensanfang durch und durch europäisch-abendländisch-griechisch. Die Vermutung aber denkt auf dieses: Was sich wandelt, vermag dies nur aus dem gesparten Großen seines Anfangs." (Heidegger 1971a, 177)

Denn, so Heidegger, es gibt keine Rückkehr zum großen Anfang, der jetzt "in seinem Kommen zum Geringen" geworden ist. Und was geschieht dann mit diesem "Geringen"? Antwort: "Es öffnet sich den wenigen großen Anfängen, die mit ihrem Eigenen in das Selbe des Anfangs des un-endlichen Verhältnisses gehören, worin die Erde einbehalten ist." (a.a.O). Das klein gewordene Denken des großen europäischen Anfangs öffnet sich also zum "Selben" in anderen großen Anfängen. Das Denken des "Selben" ist wesensmäßig interkulturell (Weidtmann 2019). Was ist dieses "Selbe"? Antwort: "Vier Stimmen sind es, die tönen: Der Himmel, die Erde, der Mensch, der Gott. In diesen vier Stimmen versammelt das Geschick das ganze unendliche Verhältnis." (Heidegger 1971a, 170) Das Tönen dieser Stimmen trifft zwar "den Menschen dieses Weltalters" "unmittelbar" aber "tonlos". Es herrscht "eine rätselhafte Art von Stille" (Heidegger 1971a, 178). Ich schließe daraus, dass die Aufgabe des anstößigen und unbotmäßigen Denkens darin besteht, diese Stille der vier Stimmen als Stille hörbar zu machen. Sie widersteht, in aller Stille, dem Dröhnen des digitalen Zeitalters.

Im "Fragment von Hyperion" schreibt Hölderlin:

"Der Mensch möchte gerne in allem und über allem sein, und die Sentenz in der Grabschrift des Loyola: non coerceri maximo, contineri tamen a minimo kann eben so die alles begehrende, alles unterjochende gefährliche Seite des Menschen, als den höchsten und schönsten ihm erreichbaren Zustand bezeichnen. In welchem Sinne sie für jeden gelten soll, muß sein freier Wille entscheiden." (Hölderlin 1969, 440).

 "Sein freier Wille": Hier ertönen Kant und Fichte (Götze 2001, 106-110) auch wenn der Grabspruch im "Hyperion" christlich, genauer: jesuitisch, gedeutet werden kann (Keller 1975; Rahner 1964). Das Zitat ist der Schluss eines längeren Epitaphs tradiert von einem anonymen Jesuiten. Es lautet auszugsweise:

"Cuius animus / vastissimo coerceri non potiut unius orbis ambitu, / eius corpus / humili hoc angustoque tumulo continetur. / Qui magnum aut Pompeium aut Caesarem aut Alexandrum cogitas, /aperi  oculuos veritati: maiorem his omnibus leges / Ignatium. / Non coerceri maximo, contineri tamen a minimo divinum est".

Zu Deutsch:

"Dessen Geist von Eines Erdkreises unermeßlichen Umfang nicht konnte eingeschränkt (gebändigt, gehemmt) werden, dessen Leib wird von diesem niederen und schmalen Grabhügel umschlossen (bezähmt, zurückgehalten). Der du für groß den Pompeius oder den Caesar oder den Alexander ansiehest, öffne deine Augen der Wahrheit: als den größeren über alle diese wirst du erwählen den Ignatius: Nicht eingeschränkt werden vom Größten und doch umschlossen werden vom Kleinsten ist göttlich." (Hölderlin 1969, I, Erläuterungen 176)

Im "Fragment" fehlen die zwei letzten Worte der Sentenz, nämlich "divinum est", die aber im Motto des "Hyperion" vorkommen, allerdings ohne das Wort "tamen". Die "gefährliche Seite des Menschen" besteht nicht darin, wie bei Loyola, gegen den göttlichen Willen zu verstoßen, anstatt ad maiorem Dei gloriam ("zur größeren Ehre Gottes") im Großen wie im Kleinen zu handeln. Jene "alles begehrende, alles unterjochende gefährliche Seite des Menschen" soll durch den freien Willen gebändigt werden, um "für jeden" "den höchsten und schönsten ihm erreichbaren Zustand", ad maiorem homini gloriam also, zu erlangen.

Was ist 'das Große' und was 'das Kleine'? Das hängt vom Kontext ab, "λέγεται πολλαχῶς" wie Aristoteles bei der Deutung der Grundbegriffe im fünften Buch der "Metaphysik" wiederholt bemerkt (Aristoteles 1973, 1013a ff). Das Große kann die Unermesslichkeit des Universums, die uns Astronomie, Astrophysik sowie die bemannte und unbemannte Weltraumforschung vor Augen führen, bedeuten. Das Kleine wird uns durch Kernforschung und Nanotechnologie erschlossen. Das Große kann die digitale Weltvernetzung sein und das Kleine das Handy, ein Zuhandenes. Das Große kann die große Politik sein, und das Kleine die alltäglichen Sorgen, um das Leben irgendwie zu meistern. Das Große kann die Erde sein, und das Kleine der Mond oder umgekehrt. Es gibt große Vorbilder, die ich bewundere, wie zum Beispiel Nelson Mandela, und es gibt Großverbrecher und Kleingeister jeder Art. Ich möchte den Grabspruch des Loyola folgendermaßen ändern: non coerceri maximo, contineri tamen a minimo humanum est.

 

Literatur

Aristoteles (1973). Metaphysica (Ed. W. Jaeger). Oxford: Oxford University Press.

Bell, Daniel (1976). Welcome to the post-industrial society. In Physics Today, February 1976, 46-49.

Bell, Daniel (1973). The Coming of Post-Industrial Society: A Venture in Social Forecasting. New York: Basic Books (Dt. Übersetzung: Die nachindustrielle Gesellschaft. Frankfurt am Main 1975).

Boss, Medard (1975). Grundriss der Medizin und der Psychologie. Bern: Huber. (2. Aufl.).

Buchmann, Johannes (Hrsg.). Internet Privacy – Eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme. Acatech Studie 2012.

Budde, Reinhard; Züllighoven, Heinz (1989). Software-Werkzeuge in einer Programmierwerkstatt. Ansätze eines hermeneutisch fundierten Werkzeug- und Maschinenbegriffs. GMD-Bericht Nr. 182. München, Wien, Oldenbourg: Oldenbourg Verlag.

Capurro, Rafael (2018). A long-standing encounter. In AI & Society, Hubert Dreyfus' Legacy – A Special Memorial Issue, 1-2.
https://doi.org/10.1007/s00146-018-0799-7
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Capurro, Rafael (2017). Jenseits der Infosphäre. In Yvonne Thorhauer und Christoph A. Kexel (Hg.): Face-to-Interface. Werte und ethisches Bewußtsein im Internet. Heidelberg: SpringerGabler 2017, 31-57.
http://www.capurro.de/infosphaere.html

Capurro, Rafael (2017a). Homo Digitalis. Beiträge zur Ontologie, Anthropologie und Ethik der digitalen Technik. Heidelberg: Springer VS.

Capurro, Rafael (2017b). In Search of Ariadne's Thread in Digital Labyrinths. In Maria Bottis und Eugenia Alexandropoulou (Hrsg.): Broadening the Horizons of Information Law and Ethics - A Time for Inclusion, Thessaloniki: University of Macedonia Press, 1-19.
http://www.capurro.de/icil2016.pdf

Capurro, Rafael (2015). Leben in der message society. Eine medizinethische Perspektive. In Joachim Hruschka und Jan C. Joerden (Hrsg.): Jahrbuch für Recht und Ethik  Themenschwerpunkt: Recht und Ethik im Internet, 23. Berlin: Duncker & Humblot, 3-15.
http://www.capurro.de/paracelsus.html

Capurro, Rafael (2010). Digital Hermeneutics: An Outline. In AI & Society, 35 (1), 35-42.
http://www.capurro.de/digitalhermeneutics.html

Capurro, Rafael (2010a). Einführung in die digitale Ontologie. In: Gerhard Banse und Armin Grunwald (Hrsg.): Technik und Kultur. Bedingungs- und Beeinflussungsverhältnisse. Karlsruhe: Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Scientific Publishing, 217-228.
http://www.capurro.de/DigitaleOntologie.html

Capurro, Rafael (2009). Past, present, and future of the concept of information. In tripleC 7(2), 125-141.
http://www.capurro.de/infoconcept.pdf

Capurro, Rafael (2006). Towards an Ontological Foundation of Information Ethics. In  Ethics and Information Technology 8 (4), 175-186.
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Atlas (Rakete)
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Geschichte der NASA
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Letzte Änderung: 2. April 2019


 
    

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