PENSER APRÈS HEIDEGGER


Rafael Capurro
  

 



Erschienen in: Information Philosophie, August 1990, Nr. 3, 92-94.

Penser après Heidegger. Actes du Colloque du Centenaire (Paris, 25-27 septembre 1989). Publiés sous la responsabilité de Jacques Poulain et de Wolfgang Schirmacher et traduits par Arno Müller. Ouvrage publié avec le concours de l'Institut Goethe (Paris) et du Conseil National des Lettres (Paris). Editions L'Harmattan, Paris 1992, 312 pages.

Table des Matières

Penser après Heidegger: pourquoi?
Présentation par Jacques POULAIN et Wolfgang SCHIRMACHER

De la pensée à l'Être

Du vertige de la philosophie par Wolfgang WELSCH (Bamberg)
La puissance de la pensée par Daniel D. Dahlstrom (Washington)
L'engagement de la question de
l'Être selon Heidegger par Rudolf HEINZ (Düsseldorf)
Heidegger et les métamorphoses de la subjectivité par Dominque BOURG (Heidelberg)
Des doubles contraintes normatives par Reiner SCHÜRMANN (New York)
L'oubli de la pensée dans la pensée ou la perte heideggérienne du jugement par Jacques POULAIN (Paris)
La mort du sujet et la vérité de l'amour par Rudolph von GUMPPENBERG (Münich)
Le temps des larmes par Elisabeth WEBER (Paris9
Que l'ont peu, que l'on doit penser après Heidegger - et comment par Gérard GRANEL (Toulouse)

De l'éthique à la politique

Le critique habermasienne d'Heidegger, Repenser la politique et l'ontologie ou "répétition et oubli" par Judith BUTLER (Baltimore)
Par-delà le "fondamentalisme ontologique", vers une réhabilitation de la philosophie pratique par Arion KELKEL (Paris)
Chasser le héros de notre
âme par Jacob ROGOZINSKI (Paris)
"Après Heidegger": la politique inachevée par Myriam REVAULT D'ALLONNES (Paris)
Historialité et géographie par Jean-Marie VAYSSE (Toulouse


De la technique à l'art

De la rhétorique de l'essence: technique et langage par Edgar PANKOV (New Haven)
Le salutaire s'intensifie-t-il? A proposde la critique d'un mythe critique de la civilisation par Marten van NIEROP (Amsterdam)
Le négativ photographique de l'événement par Rafael CAPURRO (Stuttgart)
La technique de vie ou la pratique de la responsabilité par Wolfgang SCHIRMACHER (New York)
Après Heidegger: y a-t-il une philosophie de la technique sur les fondements esthétiques? par Reinhard KNODT (Nürnberg)
L'ambiguïté dans la pensée poétique par Virginia CUTRUFELLI (New York)
Le statut philosophique du poème après Heidegger par Alain BADIOU (Paris)
La puissance de l'imagination comme temps temporalisant (de Kant à Heidegger et au-delà) par Dietmar KAMPER (Berlin)
De la vérité de ce qui est fait. A propos de l'aspect poétologique de l'interprétation heideggérienne de Hölderlin par Ulrich WERGIN (Hambourg)
L'expérience de l'Être et l'épiphanie littéraire par Claudia WENNER (Fribourg)
La lettre de l'esprit par Thomas PEPPER (Yale)


   
Josette Lanteigne, Printemps 1994, Vol. 4, No. 2, 163:

RAFAEL CAPURRO, «LE NÉGATIF PHOTOGRAPHIQUE DE L'ÉVÉNEMENT» : Le texte le plus brillant du recueil. Le monde n'est pas (ou n'est plus) l'objet d'une photographie, mais plutôt la métamorphose de tout ce qui est imprimé électroniquement : «Les technologies d'information transforment le monde en négatif photographique, c'est-à-dire en un signe dont le réfèrent coïncide avec le négatif et qui est à cause de cela toujours absent» (p. 220). 


 
 

Unter der Leitung von Jacques Poulain (Paris) und Wolfgang Schirmacher (New York) fand vom 25-27. September 2989 eine vom Collège International de Philosophie (Paris) sowie von der Internationalen Schopenhauer-Vereinigung (Hamburg) und dem Goethe-Institut in Paris gemeinsam veranstaltete internationale Tagung mit dem Titel Penser après Heidegger im Collège statt.

Am ersten Tag standen die Bereiche "Denken" und "Ethik" zur Diskussion.

Judith Butler
(Baltimore) setzte die von Habermas geleistete Kritik der Ontologie als Mystifizierung der Politik in Frage. 'Sein' übersteigt den propositionalen Rahmen. Die Heideggersche Ontologie leistet Widerstand gegen die totale Determination. Es gibt keine Seinstheorie. Die Metaphysik ist der Mythos der Politik.

Für Rudolf Heinz (Düsseldorf) hat die Seinsfrage eine anstößige Funktion, nämlich gegenüber einer exklusiven Rationalität.

Wolfgang Welsch (Bamberg) verfolgte den Topos des "Schwindel(n)s" anhand von Heideggers Diktum "Kant schwindelt nicht" und brachte mit Heidegger die Kantische Vernunft zum Schwindeln.

Reiner Wiehl (Heidelberg) setzte die Rationalitätsfrage im Zusammenhang mit der Erfahrung der Widerständigkeit am Leitfaden der Zeuganalyse. Die "realitas" als das "ob-iectum" ist ein Zug des Seins. Er sieht im Heideggerschen Überspringen der "realitas" als Widerständigkeit einen Grund für das Scheitern von "Sein und zeit".

Jacques Poulain (Paris) kritisierte die Aufhebung des Anderen im phänomenologischen Diskurs Heideggers. Es handele sich dabei um eine Vergessenheit des Denkens im Sinne eines Verlustes der Urteilskraft.

Für Daniel Dahlstrom (Washington) ist die Macht des Denkens (gen. obiectivus) im Sinne eines Vermögens des Ungedachten gegenüber der Macht des Denkens als Realität.

Peter Engelmann (Wien) deutete Heideggers "Das Schwierige liegt in der Sprache" im Sinne eines Gewebes von Differenzen ohne Zentrum und ohne einen letzten Referenten.

Der Nachmittag war der Frage nach der Ethik gewidmet, die auch in anderen Kontexten und mit häufigen Hinweisen auf E. Lévinas immer wieder gestellt wurde.

Reiner Schürman (New York) sprach über "Normative Double Binds", d.h. über den zweifachen Zwang von Natalität und Mortalität, Ereignis und Enteignis, dem Gesetz und den Gesetzen. Diese "double contrainte" ist originär und tragisch. Das Ereignis ist die Möglichkeit des Singulären 'jenseits' vom Universellen: nicht als Apriori, sondern als Riss (Nein, Nichts, Tod) des Referentiellen (Ja, Sein, Geburt).

Arion Kelkel (Paris) erörterte die Möglichkeit einer Rehabilitierung der praktischen Vernunft jenseits des Fundamentalismus.

Elisabeth Weber (Paris) thematisierte in einem kurzen und bewegenden Vortrag Heideggers 'Vergessen' der dichterischen Tränen Hölderlins.

Rudolf von Gumpenberg (München) hob den Unterschied zwischen dem Egozentrismus des Fragens und der Verschwendung der Liebe hervor.


Am Abend fand ein atemberaubender öffentlicher Vortrag von Gérard Granel (Toulouse) statt. dabei ging er der Frage: "Qu'on peut et qu'on doit penser après Heidegger, et comment" und zwar am Leitfaden der "peinture an-eidétique" nach. Farbe und Existenz sind Geschwisteer, d.h. reine Entfaltung, ohne Warum. Die Philosophie hat die Aufgabe, diesem "indicible" zu ent-sprechen bzw. es kreativ zu erschweigen: "nos paroles ne parlent pas, elle disent". Wie können wir 'das Rote' sagen? Nicht nur Wittgenstein, sondern auch die Aristotelischen "idia" begleiteten Vortrag und Diskussion.


Der Dienstag war den Themen "Politik" und "Technik" gewidment.

Jacob Rogozinski (Paris) brachte Hegel und Heidegger in Berührung und versuchte den "Helden" aus unserer Seele, d.h. aus der Subjektivierung und Verabsolutierung des Daseins sowie der Hypostasierung des kollektiven Daseins, zu vertreiben, um den Anderen Platz zu machen.

Maarten van Nierop (Amsterdam) kritisierte den Mythos des "Hütens" und "Hegens" und verwies auf konservative Momente in Heideggers Kulturkritik.

Myriam Revault D'Allonnes (Paris)  öffnete den Horizont "après Heidegger" vor allem in Richtung auf die Frage nach dem Sinn der Politik, angesichts der Banalität des diesbezüglichen Heideggerschen Denkens.

Das Thema "Technik" wurde von Wolfgang Schirmacher (New York) mit einer provokativen Gegenüberstellung von "anthropozentrisch" vs. "anthropomorph" eingeleitet. Eine "anthropomorphe" Technik ist eine Lebenstechnik, die zur Verantwortung gegenüber dem von uns verursachten Leiden auffordert. Ethischer Maßstab ist die ästhetische Erfahrung des Gelingens. Der Mensch ist weder Tier noch Gott, sondern er existiert "anthropomorph" als "homo generator", indem er seine Existenz künstlich-künstlerisch gestaltet.

Edgar Pankow (New Haven) deutete Heideggers Frage "nach" der Technik im Sinne einer "Verwindung" der bisherigen  metaphysischen Lektüre. Diese Verwindung geschieht durch eine Neubenennung ("Gestell") und somit auch durch eine neue Verortung des Phänomens.

Rafael Capurro (Stuttgart) interpretierte Heideggers "Das Ge-Stell ist gleichsam das photographische Negativ des Ereignisses" in Zusammenhang mit den neuen Informationstechniken. Es gehe darum, das unendliche Potential der Simulation vor der Endlichkeit des "Dass" der Existenz zu durchschauen.

Reinhard Knodt (Nürnberg) sprach über "Kunstwerk und Menschenwerk" und wies auf die Möglichkeit einer Durchdringung von Technik und "Ästhetik" hin.


Der dritte Tag schließlich war der "Kunst" sowie der "Geschichtlichkeit" gewidmet.

Dietmar Kamper
(Berlin) deutete "die Einbildungskraft als zeitigende Zeit: Von kant über Heidegger hinaus". Der Anfang der Zeit läßt sich nicht fabrizieren: niemand "hat" Zeit, Zeit "gibt es". Gegenüber der Unendlichkeit der Abstraktion, etwa in der Form der Omnipotenz der Fraktalität, gilt es die leibliche Zeit zwischen Geburt und Tod, in ihrem "es gibt", zu verstehen.

Alain Badiou (Paris) erörterte vor dem Hintergrund von Parmenides (Fusion von "sacré" und "poème"), Platon (Trennung), Aristoteles (Unterordnung) "Le statut philosophique du poème après Heidegger", der dem Gedicht seine eigene Autonomie (wieder) gibt.

Die Frage nach der Geschichtlichkeit wurde von Pierre Aubenque (Paris)  mit einer Kritik der Neuzeit in Anschluß an Heideggers "die Zeit des Weltbildes" eröffnet. Er zeigte auch den 'geduldigen' Weg des (Heideggerschen) Denkens, eine Geduld, die mit der "rigueur de sa pensée" Hand in Hand geht.

Akihiro Takeichi (Kyoto) fragte nach dem, was dem empirischen Individuum, trotz seines nichtigen Grundes ("l'être effectiv d'un individu ne repose que sur le néant"), mit den unendlichen Schicksale verbindet.

Dominique Bourg
(Besançon) stellte die Frage nach dem Subjekt bei Heidegger im Sinne einer Zerstörung der menschlichen Autonomie.

Die Tagung verlief in einer gelassenen Pariser Atmosphäre, die viel Raum und Zeit für persönliche Begegnungen ließ.

Letzte Änderung: 2. Juli  2017
    
 

    
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